Accad, Evelyne

(Last Updated On: 17. November 2013)

Über Evelyne Accad

Der im Libanon geborenen Schriftstellerin, Bühnenautorin/Dramatikerin und Literaturkritikerin Evelyne Accad war Schmerz nicht fremd, bevor bei ihr im Jahr 1994 Brustkrebs im Stadium III (infiltrierendes, lobuläres Karzinom) diagnostiziert wurde. Die Suche nach der Befreiung von Leid ist einer der wichtigsten thematischen Ansätze in all ihren Werken, angefangen bei ihrem ersten Buch über arabische Frauen „Der Schleier der Scham: Die Rolle von Frauen in der modernen Literatur Nordafrikas und der arabischen Welt“ (1978). Geboren und aufgewachsen in Beirut, Libanon, erlebte Accad die physischen und emotionalen Schrecken des Krieges in ihrer Heimat. Sie schrieb darüber in ihrem Roman „Klatschmohn des Massakers“ (1988) sowie in ihren beiden literaturwissenschaftlichen Untersuchungen „Sexualität, Krieg und Literatur im Nahen Osten“ (1989)  und „Die Frauen, die Männer und der Krieg: Dichtung und Realität in Nahost“ (1993). Das Thema des Schmerzes dominiert auch ihre beiden anderen Romane „Die Beschnittene“ (1982) und „Verletzende Worte: Berichte aus Tunesien“ (1993).8521 In „Die Beschnittene“ stellt Accad die persönliche Erfahrung des Schmerzes im Zusammenhang familiärer Beziehungen dar, die in der gewalttätigen Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung in traditionellen arabischen Gesellschaften ihr Spiegelbild findet. In „Verletzende Worte“ behandelt sie das Thema des Schmerzes im Kontext der Beziehungen von Frauen während der Zeit der Frauenbewegung in Tunesien. In ihrer Arbeit „The Wounded Breast: Intimate Journeys through Cancer(Die verwundete Brust, 2001, französische Ausgabe  „Voyages en cancer“ 2000) erkundet Accad das Leid in Form ihrer persönlichen Krebserfahrung.

Obwohl vom Genre her autobiographisch, verarbeitet Accad in ihrer Erzählung wissenschaftliche Daten und Essays zu Krebs aus einer Vielzahl von Quellen. Ihr einzigartiger Hintergrund erlaubt es ihr, die Krankheit aus einer interkulturellen Perspektive heraus zu betrachten, mit Schwerpunkten auf gesellschaftlichen Tabus, geschlechtsspezifischen Aspekten sowie der Gegenüberstellung zeitgemäßer versus traditioneller Denkweisen über die Krankheit. Durch diesen multidimensionalen Ansatz spannt sich der Bogen des Phänomens Krebs vom physischen Schmerz bis er zur Metapher der Krankheit moderner Gesellschaften wird.

Schriften von Evelyne Accad

Blessures des mots: Journal de Tunisie. Paris: Côté femmes, 1993. English edition: Wound Words: A Woman’Journal in Tunisia. London: Heinemann 1996.

Coquelicot du massacre (Klatschmohn des Massakers). Paris : L’Harmattan 1988 und in engl. franz. Ausgabe 2006 ebenfalls bei L’Harmattan

Des femmes, des hommes et la guerre: Fiction et Réalité au Proche. Orient. Paris: Côté femmes, 1993.

L’Excisée. Paris: L’Harmattan, 1982. English edition : The Cut out/off. Trans. David K. Bruner. Colorado  Springs: Three Continents, 1989.

Sexuality, War and Literature in Middle East. New York: NYU Press, 1989.

Sexuality and War : Literary Masks of the Middle East. New York : New York Univ. Press 1990

Veil of Shame: The Role of Women in the Modern Fiction of North Africa and the Arab world. Sherbrooke: Naaman, 1978.

Voyages to Cancers. Paris: L’Hamattan, Tunis: Aloès and Beirut: An-Nahar, 2000. English edition: The Wounded Breast : Intimate Journey through Cancer. Melbourne:Spinex 2001.

Weitere Quellen

Hottel, Ruth A.: A Poetics of Pains: Evelyne Accad Critical and Fictional World. World Literature Today, 71:3 (Summer 1997) 511-16.

Mehr über Evelyne Accad

Brustkrebs interkulturell betrachten: „Die Austreibung meines Schmerzes“ (Interview Evelyne Accad / Elizabeth Zahnd)

Zur Parallelität von Krebs und Krieg: Evelyne Accad

 

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar