Brustkrebs-Forschung: Wer ruft falsche Veröffentlichungen zurück?

(Last Updated On: 4. Mai 2013)

In der aktuellen Ausgabe des arznei-telegramm (a-t, Heft 3/11) geht es u.a. auch um den Rückruf gefälschter Studien. Darin enthalten ist erneut ein Hinweis auf die Bisphosponat-Studie mit Zoledronat (Zometa), einem Medikament, das auch bei Brustkrebs eingesetzt wird.

Endpunkte nachträglich verändert

a-t weist drauf hin, dass bei der Studie eine nachträgliche Änderung des „primären onkologischen Endpunktes“ vorgenommen wurde. Dies sei in der Publikation zu ABCSG-12-Studie, also einer Studie der „Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group“,  verschleiert worden. Hier sei aus einer negativen Studie so zumindest eine zum Teil positive Studie geworden.

Spitze des Eisbergs

a-t führt weitere Beispiel für Medikamenten-Studien auf, in denen es ebenfalls zu Manipulationen gekommen sei. Diese seien aber nur „die Spitze des Eisbergs“. Im Zusammenhang mit Brustkrebs sind beispielsweise insbesondere die gefälschten Studien zur Hochdosistherapie bei Brustkrebs ein dramatisches Beispiel für Wissenschaftsbetrug gewesen, s. dazu zum Beispiel auch False Hope / Falsche Hoffnung (Berichterstattung im Dt. Ärzteblatt s. Der Fall Bezwoda).

Was passiert mit manipulierten Studienergebnissen in den Fach-Journalen?

arznei-telegramm jedenfalls fragt, was mit all den Studien passiert, die als gefälscht erkannt sind und die die Therapie zum finanziellen Nutzen von Pharmafirmen und zum finanziellen Schaden von PatientInnen beeinflussen können. In Zeitschriftenarchiven und Datenbanken blieben die falschen Ergebnisse erhalten, meistens ohne Hinweis auf den wissenschaftlichen Betrug. a-t verweist auch auf den ökonomischen Vorteil von Fachzeitschriften, die mehrfach von manipulationsanfälligen Studien profitierten, und fordert einheitliche Kriterien zur Deklaration von Interessenkonflikten.

Falsche Therapienentscheidungen werden vorprogrammiert

Im Fazit kommt a-t zu dem Ergebnis, dass eine Vielzahl der veröffentlichten Studien falsche Therapieentscheidungen bahne. Selbst wenn gravierende Manipulationen erkannt seien, würden die Studien in aller Regel weder zurückgezogen, noch korrigiert. a-t steht auf dem Standpunkt, dass Herausgeber medizinischer Fachzeitschriften aufgefordet seien, einheitliche Regeln für den Rückruf gefälschter Studien zu etablieren und diese konsequent umzusetzen.

Als Patientinnen wissen wir, wie uns die Ergebnisse klinischer Studien in Medien, auf Patientinneninformationstagen, in Arztpraxen und Therapien begegnen. Vertauensbildend sind die augenblicklichen Verhältnisse jedenfalls nicht.

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www.arznei-telegramm.de (Der Artikel zu klinischen Studien ist bisher nicht frei zugänglich verfügbar)

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