Audre Lorde (1934-1992)

(Last Updated On: 21. Dezember 2020)

Audrey Geraldine Lorde wurde am 18. Februar 1934 in New York City als jüngste Tochter einer Einwandererfamilie von den Kleinen Antillen (Grenada) geboren. Sie entschied sich, das y in ihrem Namen zu streichen, ihr “Präzedenzfall” für Selbstbestimmung in ihrem Leben.  Audre Lorde studierte Literatur und Bibliothekswissenschaften, heiratete Anfang der 1960-er Jahre, bekam die Kinder Elizabeth und Jonathan, ließ sich 1970 scheiden und beschrieb sich selbst als schwarze Lesbe, Mutter, Kämpferin und Poetin.

Engagement für die Rechte von Frauen und im speziellen für die Rechte von schwarzen Frauen

Audre Lorde engagierte sich in der Frauen- und Bürgerrechtsbewegung sowie für die Rechte lesbischer und schwarzer Frauen. Sie war Mitbegründerung des Verlags Kitchen Table: Women of Color Press. Durch ihre Lesungen und Workshops in Deutschland unterstützte sie die afro-deutsche Frauenbewegung. Lorde blieb ihr Leben lang politisch und literarisch aktiv.

Audre Lorde als Autorin

Audre Lorde nutzte Literatur, um ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen und um über Rassismus und lesbische Liebe zu schreiben. Anfang der 1960er Jahre arbeitete sie einige Zeit als Bibliothekarin. 1968 erschien ihr erster Gedichtband The First Cities bei Poet’s Press in New York. In den Folgejahren lehrte sie Literatur an verschiedenen Schulen, und 1981 wurde sie Professorin für Englisch am Hunter College der City University of New York. In erster Linie bezeichnete sie sich als Schriftstellerin und wurde zur Vorreiterin eines antirassistischen Feminismus. Der Feminismus der 1960er und 1970er Jahre war bestimmt durch die Perspektive weißer Mittelschichtfrauen, die die Erfahrung der Diskriminierung von People of Color nicht hatten.

Positionsbestimmung zur Situation von Frauen

Lorde erkannte an, dass Sexismus alle Frauen trifft, doch warnte sie zugleich davor, Unterschiedlichkeiten zu übersehen. Sie selbst stufte diese Unterschiedlichkeit als Bereicherung ein, von der Einzelne, aber auch die Gesellschaft als Ganzes, profitieren könne. Sie stellte die Bedeutung von Erfahrungen, Gefühlen und Intuition in ihren Dichtungen über das theoretische Wissen. Die rationale Weichenstellung, allein Wissenschaft den Vorrang zu geben, machte sie für mangelnde Menschlichkeit, die sie gern als „die schwarze Mutter in allen von uns“ beschrieb, verantwortlich. Sie sah diese „schwarze Mutter“ als Quelle der Macht, als das Weibliche, Dunkle, Ungeordnete und Erotische, das in einer männlich dominierten Gesellschaft unterdrückt werde. Frauen hätten vor diesem Hintergrund verinnertlicht, kein Vertrauen ihre eigene Kraft zu haben und alle Wege zurückzuweisen, die außerhalb dieser Art „Leitkultur“ denkbar wären. Nach den Vorstellungen von Lorde sollten Frauen sich deswegen in ihren Lebenswegen nicht an Männern orientieren, sondern ihre eigenen Wege entwickeln und zu ihrer eigenen Stärke zurückfinden und diese nutzen. Sie schrieb darüber in „The Master’s Tools Will Never Dismantle the Master’s House” (Die Werkzeuge des Meisters werden niemals das Haus des Meisters demontieren).

Bücher

Autobiographische Züge hat Audre Lordes Buch Zami, eine Mythobiographie über ihre Kindheit in Harlem,  einem Stadtteil von Manhattan, New York in den USA. Das Werk erschien in deutscher Ausgabe zuerst 1986 bei Orlanda, 1993, 1994 und 1996 neu aufgelegt bei Fischer Taschenbuch und 2012 bei Unrast.

Audre Lorde erkrankte 1978 an Brustkrebs. Wieder nutzte sie Literatur und das Schreiben zur Dokumentation und Verarbeitung ihrer Erfahrungen. 1980 erschienen ihre „Cancer Journals“ (Krebstagebücher), in denen sie die Erfahrung der Krankheit dokumentierte. Audre Lorde sei „die erste, die Brustkrebs zum politischen Thema machte und als Teil des Kampfes von Frauen gegen Diskriminierung und Unterdrückung sah“ (S. 71).

Audre Lorde - Bildersuche bei Google 2013

Audre Lorde: Bilder von Audre Lorde in der Google Bildersuche (click auf das Bild für mehr …)

Als die Krankheit fortschritt, erschien 1988 „A Burst of Light“ (übersetzt etwa: Lichtexplosion, die deutschsprachige Ausgabe erschien ebenfalls 1988 unter dem Titel „Lichtflut“ bei Orlanda). Ihre Tagebuchaufzeichnungen sind  bewusst subjektiv und zugleich persönlich und politisch gehalten. Lorde wollte andere an ihrem individuellen Wissen teilhaben lassen und macht mit großer Prägnanz und Genauigkeit im Zusammenhang mit der Krankheit klar, dass es in einer hoch kontaminierten, krank machenden Umwelt politischer Veränderungen bedarf. In ihrem Buch „Auf Leben und Tod“, zuerst erschienen bei Orlanda 1994, sind sowohl die „Cancer Journals“, wie auch „Burst of Light“ in deutscher Übersetzung, sowie im Anhang einige kleinere Beiträge von Dagmar Schultz, Waltraud Ruf, Mitarbeiterinnen einer Krebsberatungsstelle in Berlin und ein Beitrag des Heilpraktikers Manfred D. Kuno zur Krankengeschichte enthalten. Die Fischer Taschenbuch-Ausgabe von „Auf Leben und Tod“ erschien im Juni 2000 und enthält diese Beiträge nicht.

Am 17. November 1992 starb Audre Lorde an den Folgen von Brustkrebs.

Filme

A Litany For Survival

The Life and Work of Audre Lorde -Trailer -TWN, ein 60-minütiger Film aus dem Jahr 1996 von Ada Gay Griffin und Michelle Parkerson:

The Berlin Years – 1984 – 1992

Trailer zum Film von Dagmar Schulz

Viele weitere Filmsequenzen sind online verfügbar im Audre Lorde youtube Channel.

Weblinks

Audre Lorde – The Berlin Years 1984 – 1992: Webseite zum Film von Dagmar Schultz (s.a. Filmographie)
Audre Lorde Archiv John-F.Kennedy-Institut, FU Berlin
Audre Lorde Project (New York)

Quellenangaben:

Audre Lorde, Auf Leben und Tod. Erweiterte Neuaufl. 1994.
The Routledge Dictionary of Twentieth-Century Political Thinkers. Routledge, 2. ed., 1998, ISBN: 978-0415158817
Findbucheinleitung des Audre Lorde Archivs (Bibliothek des John-F.Kennedy-Instituts der FU Berlin)

 

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