Bisphenol A (BPA) in der Lebensmittelverpackung

(Last Updated On: 22. November 2017)

Ist Brustkrebs ein „Angriff aus dem Nichts“, wie im aktuellen arte Themenabend gerade vorgestellt? Was die Krankheit auslöst, wissen wir nicht, hieß es dort. Nur nicht aufmüpfig werden, der „westliche Lebensstil“, dem Frauen heute nur schwer entkommen können, steht nicht zur Diskussion. Bisphenol A ist nicht „nichts“, sondern ein Umwelthormon in unserer Lebenswelt, das sich von der Säuglingstrinkflasche über Lebensmittel- und Getränkeverpackungen aus dem Leben von Frauen heute schwer wegdenken lässt. Jetzt wurde es immerhin in Plastikflaschen für Babys verboten, nachdem die meisten von uns sie für die Generation unserer Kinder – von Behörden als unbedenklich eingestuft – benutzt haben. Die Stoffe seien sicher. So erklären es unermüdlich die Behörden von Bundesämtern über EFSA bis zur WHO bei neuen Stoffen und Nahrungmitteln, Arzneien und Untersuchungsmethoden. Doch das Glaubwürdigkeitsproblem dieser Behörden nimmt zu. Sie halten Daten unter Verschluss, beschäftigen Mitarbeiter, die Interessenkonflikte haben und gleichzeitig für die Industrie tätig sind, oder sie arbeiten eng mit Lobbyisten zusammen, ohne dass erkennbar wäre, welchen Nutzen BürgerInnen davon haben sollen.

plastic von Warrenski, Creative Commons 2.0

Bisphenol A wird für eine ganze Reihe von schweren gesundheitlichen Problemen verantwortlich gemacht, darunter Brustkrebs. Welches sind die Hauptquellen für Bisphenol A in unserem Körper? Und was passiert mit den BPA-Werten, wenn diese Hauptquellen entfernt werden? >>> Breast Cancer Fund und das nach dem Buch >>> Der stumme Frühling (Silent Spring) der Biologin Rachel Carson benannte >>> Silent Spring Institute haben in der wissenschaftlichen Umweltfachzeitschrift Environmental Health Perspectives gerade eine Studie veröffentlicht, die dieser Frage nachgeht.

Der Test

Verglichen wurden fünf Familien, die sich zunächst nach dem „normalen“ Muster westlicher Ernährungsgewohnheiten mit verpackten Fertigprodukten ernährten und dabei eine Woche lang beobachtet wurden. Es folgten drei Tage mit frisch zubereiteten Mahlzeiten, die nicht mit BPA-haltigen Lebensmittelverpackungen (wie Konserven und Kunststoffen) in Kontakt gekommen waren. Schließlich wurde wieder auf die „normale“ Ernährung mit verpackten Lebensmitteln gewechselt. Während der gesamten Zeit wurden die BPA-Werte der Testfamilien gemessen.

Das Ergebnis

In der Phase der Nahrungaufnahme mit frischen Lebensmitteln sanken allein in diesem kurzen Test die BPA-Werte bei den Testpersonen um 60%, bei Testpersonen mit den höchsten BPA-Werten sogar noch stärker, nämlich um 75%.

Dieses Ergebnis wird von Breast Cancer Fund (einer Organisation, die sich der Vermeidung von Brustkrebs widmet) als bahnbrechend bezeichnet, da es zeige, dass Lebensmittelverpackungen die Nummer 1 bei den Verursachern in Sachen BPA-Exposition sind.

Was ist BPA?

BPA ist ein sogenannter „endokriner Disruptor“, der im Körper des Menschen als „Hormon aus der Umwelt“ wirksam ist und z.B. hochpotente östrogene Wirkungen hat. Diese Hormone können die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen und Krebswachstum fördern.

Lieb gewordene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten können wir, wenn wir dies wollen, selbst über Bord schmeißen. Wir können frische Lebensmittel kochen und auf Lebensmittel, die in Konserven verpackt sind, verzichten. Fast sämtliche verpackten Lebensmittel sind kritisch, denn bei Glasverpackungen können die Deckel den Inhalt kontaminieren. Bei Tiefkühlkost können die Pappkartons beschichtet sein oder die Ware ist zusätzlich häufig ebenfalls in Plastik eingepackt. All diese verpackten Waren und Produkte können wir vermeiden, wenn wir das wollen. In unserer Küche können wir auf Glas und Edelstahl zurückgreifen und besonders in der Mikrowelle sollten wir keine Kunststoffprodukte benutzen. (Weitere kleine Tipps des Silent Spring Institute s. unten)

Risiken für alle vermeiden

Um die Problematik der Vermeidung nicht nur zum persönlichen Problem herabzustufen, können wir aber noch mehr tun, um unsere BPA-Exposition zu verringern. Wir können Druck auf PolitikerInnen und Industrie ausüben, damit sämtliche Verpackungsmaterialien, die hormonell aktive Substanzen enthalten, bei der Verpackung von Nahrungsmitteln zukünftig vermieden werden. Das >>> Verbot von Bisphenol A in der Säuglingsflasche zum 1. März 2011 ist also nur ein Anfang. Wir wollen ungiftige Nahrungsmittel, und es gibt ungiftige Möglichkeiten, Lebensmittel zu verpacken. Sie sind vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz so bequem, aber >>> Plastik gefährdet das Leben auf unserem Planeten auf vielen Ebenen. Deswegen müssen weitere Reformen eines kaputten Systems, das die Interessen der Industrie bei der Vermarktung gefährdender Produkte hinter die Gesundheitsinteressen von Menschen stellt, entwickelt werden.

Wir danken Dr. Janet Grey, Breast Cancer Fund, und dem Silent Spring Institute für ihre wichtige Arbeit!

Quellenangabe

Rudel RA, Gray JM, Engel CL, Rawsthorne TW, Dodson RE, et al. 2011: Food Packaging and Bisphenol A and Bis(2-Ethylhexyl) Phthalate Exposure: Findings from a Dietary Intervention. Environ Health Perspect doi:10.1289/ehp.1003170

Abstract
Volltext als pdf (Open Access, frei zugänglich)

Weiterlesen

Silent Spring Institute: Neue Studie: BPA in Lebensmittelverpackungen

Silent Spring Institute: 6 Schritte zur Vermeidung von Bisphenol A

  1. Möglichst nur frische Nahrungsmittel – und keine verpackte Ware
  2. Nicht „auswärts essen“ in Restaurants, Imbissen, Kantinen, sondern zuhause Nahrung zubereiten
  3. Nahrungsmittel in Glas, Porzellan oder Edelstahl und nicht in Plastikbehältern aufbewahren
  4. Kein Plastikgeschirr in die Mikrowelle geben
  5. Kaffee wieder mit Kaffeefilter brühen, Kaffeemaschinen mit Plastikzubehör meiden
  6. Aktiv werden und sich als VerbraucherIn für sicher produzierte und sicher verpackte Ware einsetzen.
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