"Brustkrebsmonat" – Alle Jahre wieder FALSCH – Für Frauen kritisches Wissen und Fragen bleiben ausgeblendet

(Last Updated On: 3. Oktober 2014)

Exif_JPEG_PICTUREEs ist „Brustkrebsmonat“, Oktober, Steigerungsform „Pinktober“. Der kommerzielle, ökonomisierte Teil der Medizin und viele, die auf dem Trittbrett des Schmerzwortes „Brustkrebs“ Aufmerksamkeit und Profite sammeln, laufen auch 2012 wieder zur Hochform auf. Doch die rosarote Verpackung verstellt den Blick, verniedlicht und verramscht eine tödliche Krankheit. [1.]

Unbequeme Fragen bleiben

Brustkrebs und UmweltbelastungBeständig steigende Erkrankungsraten sorgen für Beunruhigung. Die Diskussion über die Ursachen bleibt öffentlich unterbelichtet.  Mit dem Versprechen auf Heilung werben mächtige Leistungsanbieter mit ihren diagnostischen, medizinischen und pharmazeutischen Produkten. Doch die Bereitschaft zur Diskussion kritischer Fragen hat, seitdem die Fallzahlen bei Brustkrebs in Deutschland in der letzten Dekade sprunghaft angestiegen sind, eher abgenommen. Waren Fachexpertinnen der Frauengesundheitsnetzwerke, Medizin und Gesundheitspolitik vor der Veränderung der Versorgungsstrukturen für Frauen mit Brustkrebs Anfang dieses Jahrtausends zumindest teilweise im gemeinsamen Dialog, so erscheint dessen Fortsetzung heute weniger erwünscht. Eine neue Betroffene, die ihre Erfahrungen berichtet, muss ausreichen. Sie demonstriert die von Frauen erwarteten Verhaltensweisen – Mut, Hoffnung, Mitmachen, Fügsamkeit, Duldsamkeit, aber bitte keine unerwünschten Fragen. Die Patientin darf nicht verunsichert werden. Die Medizin macht großartige Fortschritte. Das Genom der Krankheit wurde entschlüsselt.

Läuft etwas falsch?

Die Erkrankungsraten steigen.

Die Brustkrebssterblichkeit zeigt sich konstant. (Immer noch wird dies als Erfolg gewertet, doch die Rolle der Überdiagnose und des unnötigen Leids wird dabei übersehen.)[2]

Das Leid betroffener Frauen ist unermesslich.[3] (Leid wird weggeblendet, die Fassade ist rosa und heißt Lachen, Laufen, Kaufen.)

Der Blick auf komplexe Ursachen, die Frauen krank machen, bleibt ausgeblendet.

Die für die Krankheit durch Umweltverschmutzung und unsichere bis gesundheitsschädliche Produkte verantwortlichen Konzerne kaufen sich ein gesundheitsbewusstes Image: Sie sponsern Brustkrebs.  Die Filmemacherinnen Emanuelle Schick Garcia und Laila Tahar nennen das deutlich The Idiot Cycle („Kreislauf für Idioten“), s. Krebs und die Ursachen von Tim King.

Ursachen für Brustkrebs (Beispiele)

Karzinogene und krank machende Zusammenhänge sind lange bekannt (s. Dokuwiki Rachel Carson). Doch sie sind nicht Teil der öffentlichen Botschaft.

  • Hormonelle Umweltschadstoffe („endokrine Disruptoren„) begleiten uns vom Lebensmittel (Pestizide in Obst und Gemüse) über Haushaltschemikalien, Designerparfums, Kosmetika und Pflegeprodukte, über Wohnungseinrichtung und in Plastik verpacktes Wasser und Getränke etc. etc.
  • Hormonelle Medikamente. Risiken wurden und werden heruntergespielt, s. dokuwiki am Beispiel Hormonersatztherapie, Diskussionen zu den Auswirkungen hormoneller Ovulationshemmer und Brustkrebs bleiben Fehlanzeige. Die sexuelle Verfügbarkeit von Frauen und ihre Bereitschaft, die Lasten der praktischen Pille zur Empfängnisverhütung mit ihrem Körper zu tragen, darf nicht tangiert werden.
  • Nächtliches Licht, Schichtarbeit, Nachtarbeit (s. dokuwiki: Brustkrebs und Nachtarbeit).

Brustkrebs vermeiden – Ohne gesellschaftliche Weichenstellungen geht es nicht

Solange öffentliche Diskussionen sich allein mit Diagnostik und Therapie der Krankheit befassen und solange nicht gesunde Lebenswelten Frauen und alle anderen Menschen vor Krankheit schützen, werden Erkrankungsraten, Behandlungskosten und Profite weiter steigen.

Zeit für einen Perspektivenwechsel jetzt:
Stop! für den „Brustkrebsmonat“, so wie er heute Frauen benutzt, verdummt und desinformiert.

Materialien zum „Brustkrebsmonat“

Rubrik Brustkrebsmonat

[1] Beispiel: „Kahl ist das neue Sexy“ (bei zazzle zu kaufen, Strichmännchen mit Chemoglatze und rosa Schleife, http://www.zazzle.de/ist_das_neue_sexy_brustkrebs_strichmannchen_kahl_postkarte-239795161130159601)

[2] Zahlen s. www.gekid.de, Gesellschaft epidemiologischer Krebsregister in Deutschland

[3] Beispiel: Jennifer Meredino Blog: My Life with Breast Cancer
http://mylifewithbreastcancer.wordpress.com
Antonio Meredino: My Wife’s Fight With Breast Cancer
http://mywifesfightwithbreastcancer.com/galleries/

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