Das Tabu zeigen: Auf den Spuren des „Matuschka-Effekts“ in Polen

(Last Updated On: 19. Mai 2015)

Kalender von Isabela Moczarna-PasiekIn dem Artikel „Reveal Taboo: The Photographs from Wroclaw Calendar of Amazons Association“ (erschienen in: Adult Education Discourses, 2007, Vol. 8, S. 281 – 290) befassen sich die Historikerin Izabela Kowalczyk und die Medizinsoziologin Edyta Zierkiewicz mit einem Kalender von „Femina Feniks“, einer Gruppe von Brustkrebsüberlebenden aus Wroclaw. Der Kalender enthält Fotografien von Frauen nach Mastektomie, aufgenommen von der Fotografin Iza Moczarna-Pasiek. Moczarna-Pasiek befasst sich in ihrer Fotografie immer wieder mit für Frauen relevanten Themen. Mit ihrem Kalender löste sie, ähnlich wie Matuschka 1993 im Magazin der New York Times, kontroverse Diskussionen aus. Der Kalender ist zu verstehen als Anlauf gegen die Übereinstimmung des Schweigens über das, was Frauen mit Brustkrebs widerfährt: Folgen von Operationen, fehlende Erinnerungskultur im Zusammenhang mit Sterben und Tod der Betroffenen, Krankheit, Behinderung, Schmerz, Tragik, Hässlichkeit, eben all jenem, was landläufig für Frauengesundheit steht.

Trotz der Tatsache, dass der Kalender die Öffentlichkeit informiert und das Augenmerk auf soziale Beachtung lenkt, gab es viele kritische Reaktionen, Kontroversen und auch Entrüstung, so Kowalczyk und Zierkiewicz. Auf der anderen Seite sei das tapfere Projekt von vielen auch bewundert worden. Die Reaktionen seien unabhängig von Gender, Bildungshintergrund, Alter oder Status der (eigenen) Gesundheit gewesen. Kowalczyk und Zierkiewicz untersuchen in ihrer Arbeit sowohl visuelle Aspekte des Kalenders, wie auch das Tabu, das mit der Veröffentlichung gebrochen wurde, sowie die Rolle, die Projekte dieser Art einnehmen. Unzweifelhaft gäbe es Aspekte der Wissensvermittlung, wie die Information über Krankheit, sich mit dem Thema vertraut zu machen oder das Unterstreichen von notwendigen medizinischen Check-Ups. Auch das Nachdenken über die Krankheit erhalte eine Form, und eine Überwindung der Barrieren zwischen Erkrankten und Gesunden werde möglich.

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Webseite von Iza Moczarna-Pasiek
Edyta Zierkiewicz: Über Brustkrebs sprechen. Drei Bedeutungsebenen der Krankheitskonstruktion
Edyta Zierkiewicz: Feminismus, Gender und Brustkrebs in den USA und Polen: Vergleichenden Gedanken zur Situation bei uns

Bildnachweis: copyright I. Moczarna-Pasiek, mit freundlicher Genehmigung