Die Befreiung der Brustkrebsgene (2): Patentanspruch auf BRCA-Gene abgewiesen

(Last Updated On: 30. März 2010)

es berichten Gudrun Kemper und Beate Schmidt

Als Sieg für Patientinnen berichtet Breast Cancer Action (www.bcaction.org) heute über das Gerichtsurteil, mit dem die Patentierungen der Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 durch die Firma Myriad in den USA aufgehoben werden.

Die beiden menschlichen BRCA-Gene, bei deren Mutation davon ausgegangen wird, dass ihre Trägerinnen ein erhöhtes Risiko haben, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken, können in den USA nicht patentiert werden.

Wie es mit den europäischen Genpatenten, die die Firma Myriad ebenfalls hält, nun weitergeht, werden wir genau beobachten. Hier hatte sich vor allem Greenpeace für die „Befreiung der Gene“ eingesetzt. Siehe dazu auch >>> Myriads BRCA-Genpatente (01/2007).

Die amerikanische Firma Myriad Genetics hatte sich die beiden menschlichen Gene BRCA1 und BRCA2 patentieren lassen und mit entsprechenden Gentests hohe Profite gemacht. Gleichzeitig hatte die Firma damit Forschung und Zugang zu Informationen auch für viele Patientinnen weltweit auf diesem Wege blockiert, da sie sich die ebenfalls patentierten Myriad-Tests nicht leisten konnten. Selbst die Einholung einer Zweitmeinung wurde durch die Patentierung unmöglich. Eine Reihe von Bürgerrechtsgruppen, darunter Breast Cancer Action und die Frauengesundheitsorganisation Boston Women’s Health Book Collective (Our Bodies Ourselves, an deren Arbeit diese Webseite mit >>> umwelt (unser Körper – unser leben) anschließt, sowie die American Civil Liberties Union (ACLU), hatten gegen die Genpatente geklagt.

In dem 152 Seiten umfassenden schriftlichen Urteil wird festgehalten, dass sich die isolierte DNA nicht wesentlich von der DNA in allen Menschen unterscheidet. „Da sich die isolierte DNA nicht merklich von der arteigenen [normalen menschlichen] DNA, wie sie in der Natur vorkommt, unterscheidet, stellt sie eine nicht patentierbare Materie dar“, so das Gericht. („Because the claimed isolated DNA is not markedly different from native DNA as it exists in nature, it constitutes unpatentable subject matter“, wird der U.S. Richter Robert Sweet in einer Reuter-Meldung zitiert.) Außerdem handele es sich bei den Genveränderungen um abstrakte mentale Prozesse, die ebenfalls nicht patentierbar seien („Similarly, because the claimed comparisons of DNA sequences are abstract mental processes, they also constitute unpatentable subject matter“), heißt es weiter.

Reuter berichtete, dass ein Vertreter der Firma Myriad zu einer Stellungnahme nicht zur Verfügung stand. Noch im vergangenen Monat hatte Myriad für sich reklamiert, dass die Patente positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hätten, da sie Innovationen beförderten (wahrscheinlich neben dem anwachsenden Kontostand der Patentinhaber). Die Entdeckung der Brustkrebsgene sei lt. Myriads Anwalt Brian Poissant kein Werk der Natur, sondern harte Arbeit von Menschen.

Das Gerichtsurteil ist ein großer Durchbruch im Zusammenhang mit Biomaterialien, die zunehmend ins Zentrum wirtschaftlicher Interessen rücken.

Weiterlesen:

Die Befreiung der Brustkrebsgene (1): Keine Profite auf Leben und Tod“ (Mai 2009)

Pressemeldung Breast Cancer Action

Patent BRCA 1 (EP 95305601) beim Europäischen Patentamt

Patent BRCA 2 (EP 96309211) beim Europäischen Patentamt

Greenpeace-Berichterstattung: Streit um Brustkrebsgene

„Die wahren Kosten der Genpatente“ – Eine Greenpeace-Dokumentation

Mehr zu den BRCA-Genpatenten bei Greenpeace

Stellungnahme des Nationalen Ethikrates: Patentierung biotechnologischer Erfindungen unter Verwendung biologischen Materials menschlichen Ursprungs

Alessa Hool: Die europäischen Patente von Myriad (Seminararbeit)

Das monopolisierte Brustkrebsgen (FAZ, 24. Oktober 2002, Nr. 247)
http://www.gene.ch/genpost/2002/Jul-Dec/msg00225.html

Heise-Berichterstattung:
Klage in den USA: Patente auf Gene verstoßen gegen Verfassung

UnterstützerInnen der US-Klage:

Association for Molecular Pathology

American College of Medical Genetics

American Society for Clinical Pathology

College of American Pathologists

Haig Kazazian, MD, Professor in the Department of Genetics at the University of Pennsylvania School of Medicine

Arupa Ganguly, PhD, Associate Professor in the Department of Genetics at the Hospital of the University of Pennsylvania

Wendy Chung, MD, PhD, Director of Clinical Genetics at Columbia University

Harry Ostrer, MD, Professor of Pediatrics, Pathology and Medicine and Director of the Human Genetics Program at New York University School of Medicine

David Ledbetter, PhD, Professor of Human Genetics and Director of the Division of Medical Genetics at the Emory University School of Medicine

Stephen Warren, PhD, William Patterson Timmie Professor of Human Genetics and Chair of the Department of Human Genetics at Emory University

Ellen Matloff, M.S., genetic counselor

Elsa Reich, M.S., Professor in the Department of Pediatrics (Human Genetics Program) at New York University

Breast Cancer Action

Boston Women’s Health Book Collective (Our Bodies Ourselves)

Mehr zu den europäischen Genpatenten:

Myriads BRCA-Genpatente

Quelle der heutigen Nachricht s.a. New York Times v. 29.03.2010: Judge In New York Dismisses Human Gene Patent, REUTERS, berichtet von Edith Honan; Bearbeitung von Ellen Wulfhorst und Mohammad Zargham

sowie US Judge Strikes Down Patent on Cancer Genes ebenfalls in der New York Times, 30.03.2010

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