Erdrutsch bei den Therapieempfehlungen für Brustkrebs-Vorstufen: DCIS nicht immer operieren

(Last Updated On: 7. August 2013)

Konferenzbericht Ärzteblatt am 28.09.2009 – gelesen von Beate Schmidt

DCIS

„Ein duktales Carcinoma-in-situ (DCIS) der Brust muss nicht immer operiert werden. Unklar blieb jedoch, wann eine Operation sinnvoll ist und wie ausgedehnt sie sein sollte.“

Dies ist das Ergebnis einer Expertentagung des US-amerikanischen National Institute of Health vom 22.-24. September 2009 in Bethesda, Maryland, die damit eine der zentralen Kontroversen im Zusammenhang mit der Brustkrebs-Früherkennung mittels Mammographie-Screening aufgegriffen hat.

Lt. Konsensusbericht zur Tagung liegt der Anteil von DCIS, einer Veränderung, die auch als „Vorstufe“ von Brustkrebs bewertet wird, bei den positiven Mammographiebefunden inzwischen bei einem Viertel. In den USA lassen sich offenbar

„die allermeisten Frauen … operieren, obwohl sich nur in 30 bis 50 Prozent der Fälle aus der Präkanzerose DCIS ein invasives Mammakarzinom entwickelt“, 

so das Ärzteblatt weiter. Die Therapie sei fast immer erfolgreich, das 10-Jahres-Überleben nach Mastektomie oder Brust erhaltender Operation plus Strahlentherapie und / oder Tamoxifen, so die Pressemeldung des NIH ergänzend, liege bei fast 100%. In der Gruppe der Frauen mit Brust erhaltender Operation und Strahlentherapie komme es, so der vom Ärzteblatt zitierte Konsensusbericht,

„jedoch bei 12 Prozent der Patientinnen zu einem Lokalrezidiv, das in der Hälfte der Fälle dann ein invasives Karzinom ist, was durch eine frühzeitige Mastektomie hätte verhindert werden können.“

Der Forschergruppe von der Universität in Gainesville/Florida sei jedoch

„klar, dass eine bei allen Frauen durchgeführte Mastektomie eine Übertherapie wäre, verbunden mit lebenslangen körperlichen und emotionalen Folgen für die betroffenen Frauen.“

In der Pressemeldung des NIH wird zudem festgestellt, dass es derzeit nur relativ wenig verlässliche vergleichende Daten zur Wirksamkeit der diagnostischen und therapeutischen Optionen bei DCIS gäbe – wenig Daten also, die bisher zur Grundlage für weitreichende therapeutische Maßnahmen mit einschneidenden Folgen für die betroffenen Frauen gemacht wurden.

Da die meisten DCIS ohnehin eine gute Prognose hätten, sei selbst eine Brust erhaltende Therapie ohne Bestrahlung bei einigen Frauen nicht notwendig, sondern eine regelmäßige Kontrolle der betroffenen Frauen könnte eine Alternative zur sofortigen Operation sein.

„Wann eine abwartende Haltung sicher ist, vermochten die Experten jedoch nicht zu sagen. Angesichts des häufigen DCIS-Befundes seien nun weitere Studien notwendig“, so das Ärzteblatt weiter. Diese Studien, so die Pressemeldung des NIH, sollten detaillierte klinische, pathologische, Bild gebende und molekulare Daten sammeln.

Die 14 von NIH und US-Regierung unabhängigen Experten aus den Gebieten Onkologie, Radiologie, allgemeine und rekonstruktive Chirurgie, Pathologie, Radioonkologie, Innere Medizin, Epidemiologie, Biostatistik, Krankenpflege, Geburtshilfe und Gynäkologie, Vorsorgemedizin und Bevölkerungsgesundheit sowie Sozialarbeit betonten außerdem, so ist es der Pressemeldung des NIH zu entnehmen, die Wichtigkeit des Patientinnenwunsches und empfahlen eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Patientinnen und Medizinern, was auch die Weiterentwicklung von Entscheidungshilfen beinhaltet. Solche Hilfsmittel würden Fehlinformationen vermindern und das Verständnis einer DCIS-Diagnose sowie der Risiken und Vorteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten verbessern. Jede einzelne Frau mit DCIS sollte Zugang zu bestmöglicher Information und Unterstützung haben, damit sie die Entscheidungen treffen kann, die ihre individuellen und einzigartigen Lebensumstände, Perspektiven und Präferenzen widerspiegeln.

Quellen / Weiterlesen:
Beitrag im Deutschen Ärzteblatt vom 28.09.2009

Konsensusbericht des NIH State-of-the-Science Conference: Diagnosis and Management of Ductal Carcinoma In Situ (DCIS) (in englischer Sprache)
Pressemitteilung des National Institute of Health, USA, vom 24.09.2009 mit vielen weiterführenden Links (in englischer Sprache)

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