Flashback – Kleine Rückblende: Ist Brustkrebs zu verhüten? Was machte eigentlich Susan Love (7) – 1996

(Last Updated On: 12. Mai 2013)

Matuschka in der EMMA 1997Ein Ausschnitt aus der deutschen Ausgabe des Brustbuchs von Dr. Susan Love erschien 1996 auch in der EMMA, genau in dem berühmten Dossier in dem Heft mit Matuschka auf dem Titelblatt. „Ist Brustkrebs zu verhüten?“ heißt der kleine Abschnitt, eingebettet in einen größeren Artikel über Leben, Werk und Liebe der Susan Love. Es ist spannend zu lesen, was wir damals schon wussten. Und eben auch zu schauen, was wir heute alles gelernt haben. Immerhin 14 Jahre sind inzwischen vergangen. Frauen in Deutschland haben derweil das Mammographie-Screening, Qualitätssicherung und das Brustkrebs-DMP ereilt. Die Ausgabe ihres Buches von 1990 habe noch kein Kapitel zur Vorbeugung von Brustkrebs enthalten, lesen wir von Susan Love in der Emma. Es habe noch nicht genügend Erkenntnisse gegeben, aber ja nun, eben spätestens „Heute [1996] haben wir sie.“ Haben wir wieder nicht aufgepasst? Mit welchen Wegen verhindern wir Brustkrebs?

Faktoren, die wir beeinflussen können, sind nach Love 1996:

  • falsche, zu fette Ernährung (abnehmen!)
  • zu viele Östrogene in und nach den Wechseljahren (absetzen!)
  • zu wenig Bewegung (jede Woche 4 Std. Sport!)

All diese Tipps sind rundum empfehlenswert, sie wirken auch gegen viele andere Krankheiten. Etwas kritischer ist allerdings der Faktor:

  • Kinderkriegen unter 25, ein „spätes Kind ist noch riskanter“ …Weiter unten im Text wird dann nochmals betont: „Je jünger sie [die Frau] bei der Geburt des ersten Kindes ist, desto geringer ist die Gefahr“ für Brustkrebs.

Flashback, das hatten wir doch gerade wieder, s. Valerie Beral in SABCS Teil 5, Dezember 2009. Dr. Susan Love ist aber auch 1996 Realistin („gesundheitspolitisch interessant, aber … nicht auf jeden Einzelfall anwenden …“).

Und was ist 1996 sonst im Gespräch? „Warnsignale in Brustflüssigkeit“ (s. auch Forschung im Milchgang, MAMM 2007) oder im Blut, nicht aber etwa: mehr Mammographie. Bereits hier ist die Idee eines wikipedia11 Pap-Tests für die Brust am Horizont erkennbar. Und es gibt ihn nicht – bis heute.

Bereits in der EMMA 1996 beschreibt Love auch das Phänomen, dem Sandra Steingraber mit (pdf) The Falling Age of Puberty in U.S. Girls im August 2007 eine eigene Veröffentlichung gewidmet hat: Je früher ein Mädchen seine erste Periode hat – Mädchen kommen nicht allein in den USA heute immer früher in die Pubertät –, durch Hormone in der Umwelt beispielsweise, desto mehr steigt auch das Brustkrebsrisiko an.

Und dann ist sie da, die bahnbrechende Idee, die Prof. Dr. Valerie Beral als Strategie für die weltweite Bekämpfung von Brustkrebs vorgestellt hat, 1996 in der EMMA: … „Deshalb kam die Idee auf, man könne das Brustkrebsrisiko beeinflussen, wenn man mit Hormonpräparaten bei jungen Mädchen eine künstliche, hormonelle „Schwangerschaft“ auslöst, sodaß das Brustkrebsgewebe heranreift. Soweit mir bekannt ist, hat man das bisher nicht in die Tat umgesetzt, aber es ist eine interessante Möglichkeit.“ Auch an einer Pille mit entsprechenden Wirkungen sei damals geforscht worden, sie sei nicht wild darauf, ein Medikament zur Vorbeugung einzusetzen, aber für eine bestimmte Gruppe junger Frauen könne es das Richtige sein … Na ja.

Susan Love schließt mit „Wir brauchen einen Weg, um diese Krankheit zu bekämpfen. Und wir brauchen ihn schnell.“ Aber es wird eben nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird, wie man heute sehr schön sieht. Die große Langsamkeit der kleinen Fortschritte in der Krebsmedizin hat (manchmal) etwas Beruhigendes … Wenn wir nach weiteren 14 Jahren im „Brustkrebsmonat“ des Jahres 2024 Jahren wieder einmal von den Visionen einer Pille lesen, die eine Schwangerschaft bei jungen Mädchen imitieren soll, um Brustkrebs zu vermeiden, können wir uns hoffentlich noch erinnern … da war doch was … im Jahr 2009 … und 1996 … und …

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