Kennzahlen Mammographie-Screening: Wo bleiben die Kennzahlen zur Chemotherapie?

(Last Updated On: 4. Mai 2013)
Kennzahlen Mammographie-Screening

Geschätzte Kennzahlen Mammographie-Screening: 20 Jahre zum Screening (Frauen zwischen 50 und 70), 10 x Mammographie, umgerechnet auf 1000 und 200 Frauen

Neun Männer und vier Frauen (Prof. Dr. med. Ute Susann Albert, Prof. Dr. Marie-Luise Dierks, Dr. med. Barbara Marnach-Kopp und Dr. med. Claudia Schumann) haben einen Brief für die Medien geschrieben. >>> Der Brief (pdf) ist auf der Seite der Kooperationsgemeinschaft Mammographie bereitgestellt und enthält Kennzahlen zur Mammographie (s.a. Abbildung oben).

In dem Brief heißt es außerdem: „Bis neue Erkenntnisse, die eine Überarbeitung der Kennzahlen erfordern, vorliegen, würden wir es begrüßen, wenn Sie die „Kennzahlen Mammographie-Screening“ bei der Darstellung der Vor- und Nachteile des Programms zur Brustkrebsfrüherkennung verwenden.“

Wir nehmen diesen Vorschlag gern auf. Es liegt damit wieder ein neuer Versuch vor, Frauen die Mammographie und ihre Auswirkungen mit Mathematik verständlicher zu machen. Befürworter und Kritiker haben sich verständigt, heißt es in der dazugehörigen >>> Pressemeldung der Kooperationsgemeinschaft Mammographie.

Den zusammengestellten Zahlen müssten nun eigentlich weitere zugesellt werden:

Bewirkt Mammographie-Screening

  • mehr oder weniger Brustamputationen,
  • mehr oder weniger Brust erhaltende Operationen,
  • mehr oder weniger Chemotherapien,
  • mehr oder weniger Strahlentherapien.

Wo bleiben die exakten Zahlen? Ist die Mammographie – auch – eine Form der schädlichen Medikalisierung von Frauen? Welche Auswirkungen haben die aufwändigen Screening-Programme im Zusammenhang mit dem Einsatz von Mitteln aus den Krankenkassen (Ressourcenallocation, Zahlen bitte)? Wird das Einladungssystem zur Mammographie vor dem Hintergrund der ernüchternden Kennzahlen nun wieder abgeschafft? Wird man Frauen die Teilnahme künftig lediglich in bestimmten Intervallen und Altersgruppen freistellen, ohne mit einer Einladung direkt auf eine Mammographie hinzuwirken? Sicher ist höchstens, dass niemand das „graue Screening“ aus der Zeit vor dem Screening-Programm (alte Geräte, viele Falschdiagnosen, keine Überwachung der Strahlen etc.) wiederhaben möchte. Die in den Europäischen Leitlinien festgeschriebene Quote von mindestens 70% Teilnehmerinnen ist in Deutschland bisher nicht erreicht. Wird das Mammographie-Screening wieder abgeschafft? Hätte man allein das „graue Screening“ abschaffen und die Mammographie ohne nachweisbaren Brustkrebsverdacht lieber verbieten sollen? Kann diese Fragen nun jede Frau für sich beantworten?

Kennzahlen zur Chemotherapie

Begrüßenswert wäre, wenn endlich auch die Kennzahlen zur Chemotherapie auf dem Tisch liegen würden – mehr noch als diejenigen zur Mammographie. Denn nicht die Mammographie allein ist das Problem. Das Problem ist die Kette der dann anlaufenden therapeutischen Maßnahmen, von denen Operationen mit mehr oder weniger „einschneidenden“ Folgen vergleichsweise harmlos sind, im Vergleich zu den verharmlosten Wirkungen von hochtoxischen und in den letzten Jahren nahezu ritualisiert und immer höher dosiert verabreichten Chemotherapien, die Herzschädigungen bewirken, tödlich verlaufen und weitere Krebserkrankungen auslösen können.

Die National Breast Cancer Coalition NBCC, die bereits im November 2002 ihre Position zum Mammographie-Screening geändert hat, forderte im Mai 2007 dringend auch das Überdenken der Gabe von anthrazyklinhaltigen Chemotherapien. Auch andere Chemotherapien bewirken nicht viel mehr und sind nicht wesentlich gesünder. Das Thema ‚Chemotherapie und Brustkrebs‘ gehört auf die Tagesordnung. Kennzahlen, die klipp und klar Schäden und Nutzen gegenüberstellen, könnten uns Frauen hier ebenfalls eine große Hilfe sein.

Weiterlesen

Kennzahlen Mammographie-Screening (pdf): Dokumentation 2010 von Dr. Christian Weymayr

Ärzteblatt zu den Kennzahlen Mammographie-Screening 2010

Ende einer Therapiestrategie: Anthrazykline bei Brustkrebs

Wie lohnend ist die Mammographie? Bericht zu den Kennzahlen in der Stuttgarter Zeitung v. 12.02.2010

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