Krebs auslösende Silikonimplantate – Die BAGP-Stellungnahme zum unverantwortlichem Umgang mit Patientinnen

(Last Updated On: 19. März 2017)

Am 25.01.2011 hat die BAGP (BundesArbeitsGemeinschaft der Patient/inn/enstellen) mit Sitz in München eine Erklärung zu Krebs erregenden Brustimplantaten herausgeben, in der es wieder um Schuld und Kosten geht.

BAGP-Pressemeldung: Krebserregende Brustimplantate: Wer trägt Schuld und Kosten

BAGP-Pressemeldung: Krebserregende Brustimplantate: Wer trägt Schuld und Kosten

Was der Skandal zeigt: PatientInnen können sich nicht auf sichere Medizin-Produkte verlassen

Die BAGP steht auf dem Standpunkt, dass Patientinnen sich immer darauf verlassen können müssen, dass medizinische Eingriffe und Produkte keine Gesundheitsgefährdung darstellen, und sieht diese durch die Tauglichkeit mangelhafter Prüfungen durch ein privates Prüfunternehmen mit dem CE-Qualitätssiegel gefährdet. Die Diskussion um den Sinn und Unsinn diverser Zertifikate gibt es für viele Produkte. BAGP bemängelt unter anderem, dass die Risikokommunikation im Fall der Brustimplantate so schleppend stattfinde und keine europäischen Regelungen im Umgang mit riskanten Produkten vorhanden seien.

Systemversagen – Was wussten Prüfbehörden und ÄrztInnen?

Auch die Prüfbehörden in Deutschland seien nicht das richtige Instrument zur Gewährleistung der Patientensicherheit. Da nun unzählige Frauen schwerste Schäden erlitten haben, kann man diese Feststellung nur untersstreichen. In den USA sei die Firma PIP bereits 2000 von jeder Zulassung ausgeschlossen worden, wegen offensichtlicher Qualitätsmängel und Unseriosität. Deutschen Institutionen wie TÜV oder BfArM liegen solche Informationen anscheinend nicht vor, denn eine aktive Risikokommunikation fand bisher nicht statt. Auch die Frage, was unter den medizinischen ExpertInnen zur Qualität der Produkte hätte bekannt sein müssen, schließt sich an dieser Stelle übrigens an.

Medizinprodukteprüfung neu regeln, Risikokommunikation, Implantatregister

BAGP schlägt deswegen für die unabhängige und neutrale Produktinformation das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) vor.

Die BAGP fordert ferner aus Gründen der Patientensicherheit eine Neuregelung der Medizinprodukteprüfung und mehr Risikokommunikation. Darüberhinaus solle es endlich bundesweite Register für Medizinprodukte geben, die auch langfristige Auswertungen ermöglichten.

Die Interessengeleitete Aufklärung in der Schönheitschirurgie

Ein weiteres Problem der Schönheitschirurgie, so BAGP weiter,  sei die interessengeleitete Aufklärung vor den überwiegend medizinisch nicht notwendigen Eingriffen. Approbierten Ärzten obläge eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Dennoch erführen die Patientinnen oft nicht, dass über 15% der Eingriffe schief gingen oder dass Brustimplantate alle zehn Jahre ausgewechselt werden müssten und damit auch weitere Kosten für die Patientinnen entstehen. An dieser Stelle zur Ergänzung auch der Hinweis, dass über die häufig auftretenden medizinischen Probleme beim „Austausch“ nicht adäquat informiert wird, sei es nun Verlust von vorhandenem Eigengewebe, der Zustand der Brust nach Explantation und häufig lebenslanges Leid durch Narbenbildungen und Verwachsungen.

Frauen müssen allein um ihre Rechte kämpfen

Die vom Silikonskandal betroffenen Frauen müssten um ihre Rechte kämpfen, ohne dass sie eine Schuld für das Inverkehrbringen der Mängelware träfe, stellt BAGP fest. Jedes Kaufhaus nimmt Produkte mit Qualitätsbedenken zurück, nur in der Medizin gibt es keine derartigen Regelungen!

Die BAGP fordert seit Jahren einen gemeinsamen Fonds von Ministerien, Ärzteverbänden, Versicherungen u. a., der für Gesundheitsschäden aufkommt, auch wenn kein Behandlungsfehler vorliegt oder nachgewiesen werden kann. Einmal mehr zeige sich, wie aktuell dieser wünschenswerte Fonds wäre, doch auch im Referentenentwurf zum Patientenrechtegesetz sei Derartiges nicht verankert!

BAGP stellt fest:

„Wir finden es unverantwortlich wie mit Patienten und Patientinnen in Deutschland umgegangen wird.“

Das können wir nur unterstreichen.

Weiterlesen

Vollständige Pressemeldung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patient/inn/enstellen (BAGP)
Webseite der BAGP

Nachtrag 2017: Implantatregister – Auch in der Medizin werden die Forderungen lauter (das wurde aber auch Zeit):
Die Zeit ist reif für ein deutschlandweit verpflichtendes Brustimplantateregister – Pilotprojekt Brustimplantate Erhebungsbogen
Pilotprojekt Brustimplantate Erhebungsbogen

Wir bleiben an diesem wichtigen Thema weiterhin dran!

1 Kommentar