Mönchspfeffer (Agnus Castus), Agnolyt u.a.

(Last Updated On: 1. Mai 2020)

Mönchspfeffer (lat. Agnus Castus, auch als Keuschlamm bezeichnet) ist eine Pflanze, aus der ein wirksamer pflanzlicher Arzneistoff mit bisher nicht nach evidenzbasierten Kriterien untersuchter Wirksamkeit gewonnen wird. Mönchspfeffer enthält u.a. Flavonoide, die zu den pflanzlichen hormonell wirksamen Stoffen (Phytohormone) gezählt werden. Bei der Anwendung / Einnahme von hormonell wirksamen Stoffen sollten heute wahrscheinlich auch bei hormonell wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen neuere Ansätze der Ökotoxikologie mitgedacht werden. Hier wird von sog. „Low-Dose-Effekten“ gesprochen, also Dosierungen im Niedrigdosisbereich (auch „nicht monotone Dosis-Wirkungsbeziehungen“ genannt), die als besonders hormonell wirksam erkannt wurden. In Bezug auf die Dosierungen dieser Stoffe gibt es sehr viel Forschungsbedarf, denn man weiß über viele Pflanzenstoffe in unterschiedlichen Lebenssituationen – bezogen auf das Lebensalter, bei Krankheiten etc. – noch immer viel zu wenig Genaues.

Medikamente, die Mönchspfeffer enthalten

Agnolyt ist ein von der Pharmafirma Madaus hergestelltes Arzneimittel aus Mönchspfeffer, das den „hormonellen Regelkreis der Frau stabilisieren“ soll. Doch pflanzliche Medikamente sind nicht automatisch Medikamente, die sich gefahrlos anwenden lassen. Sie haben mitunter erhebliche problematische Eigenschaften. Der Hersteller von Agnolyt schreibt, dass es sich bei Agnolyt um ein hormonfreies Naturpräparat handelt. Uns wird gelegentlich berichtet, dass Agnolyt auch Frauen mit Brustkrebs vereinzelt gegen Hitzewallungen verordnet wird. Der Hersteller wirbt damit, dass keine hormonbedingten Nebenwirkungen zu erwarten seien. In der Produktinformation gibt der Hersteller selbst an, dass für das pflanzliche Medikament bei Mammakarzinom (Brustkrebs) besondere Vorsicht geboten ist, eine Umschreibung, die Netdoktor übersetzt in „nicht geeignet“.  Weitere Medikamente, die Mönchspfeffer enthalten, sind: Opran (Hersteller Medichemie), Agnucaston (Hersteller Bionorica) usw. usw. 

moenchspfeffer

Bei Tamoxifen-Einnahme

Frauen, die bei Brustkrebs Tamoxifen einnehmen und sich fragen, ob sie Mönchspfeffer bzw. ein entsprechendes Präparat einnehmen können, sei der Artikel Phytoöstrogene und Endometriumkarzinom im unabhängigen arznei-telegramm (a-t) empfohlen.

Rubrik Umstrittene Arzneimittel

„Für Extrakte aus Mönchspfeffer (AGNUCASTON, AGNOLYT u.a.;  a-t 2 [1992], 20) oder Cimicifuga (REMIFEMIN, KLIMADYNON u.a.) bleiben Nutzenbelege hinter den wissenschaftlich akzeptierten Maßstäben für einen Wirksamkeitsnachweis zurück.“

Anwendungsgebiet Brustschmerzen

Hier gibt es im arznei-telegramm einen zwar älteren, dafür aber frei zugänglichen Artikel, der sich mit Agnolyt befasst: Zyklische Brustschmerzen – Was hilft?. Hier wird auch auf die Historie von Mönchspfeffer (die den Namen erklären könnte) eingegangen, Zitat:

„Agnus castus „[könne] den Drang zum Beischlaf mäßigen“, weshalb er als „Mönchspfeffer“ im Mittelalter Mönchen bei der Erfüllung des Zölibats hilfreich sein sollte. Warum der Anbieter eine Tinktur des Mönchspfeffers heute als Mittel zur Behandlung der Mastopathie und auch bei mangelhafter Stilleistung empfiehlt, bleibt uns unerklärlich.“

Kosmetika

Vorsicht ist ggf. auch geboten bei einigen Kosmetikserien, die Mönchspfeffer als Inhaltsstoff in ihren Produkten enthalten. Die Aufnahme durch die Haut ist sehr naheliegend und sollte kritisch überdacht werden. Folgende Kosmetika enthalten beispielsweise Mönchspfeffer: Dr. Hauschka Intensivkur 05, Fenjal Vitality Lift Body Lotion oder Fenjal straffende Bodylotion.

Tee

Mönchspfeffer wird auch in vielen Tees angeboten und speziell im Zusammenhang mit Frauengesundheit beworben. Besonders Frauen, die bereits von Brustkrebs betroffen sind, sollten hier ggf. sensibel bei der Anwendung sein, wenn es sich um Tees handelt, die beispielsweise täglich getrunken werden.

Bildnachweis: Vitex agnus-castus von Eric Lux, CC BY-NC-SA 2.0
Kleines Artikelbild:  Vitex agnus-castus von Time Anchor CC BY-NC-SA 2.0

 

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