Nach der Heilung

(Last Updated On: 13. November 2011)
After the Cure - Nach der Heilung ...

After the Cure - Nach der Heilung ...

Text: Gayle Sulik | Übers. Gudrun Kemper

Im Gegensatz zu den Vorstellungen und Geschichten von triumphierenden Überlebenden verändern die Nebenwirkungen [der Brustkrebstherapie] die Qualität des Lebens betroffener Frauen grundsätzlich. Zusätzlich zur Sprachlosigkeit und dem Gefühl von Isolation stechen für mich in diesem Buch die Geschichten eines verengten Leben hervor. Die gemeinsamen Erfahrungen  der Frauen „Nach der Heilung“ sind nicht „nur düster“ und zeigen Elemente der persönlichen Transformation, wie Menschen ihre Verletzlichkeit akzeptieren lernen.

Doch viele Frauen konnten nicht mehr arbeiten und mussten sich von sozialen Aktivitäten zurückziehen. Körperlich anstrengende Tätigkeiten waren passé, dafür blieb der Umgang mit der Last der Arzttermine, Arztrechnungen, Versicherungsfragen, veränderten Beziehungen sowie körperliche und seelische Nebenwirkungen der Behandlung. Keine dieser Veränderungen im Leben war erwartet worden. Die Frauen dachten, sie würden sich von der Behandlung erholen und dann wieder „normal“ sein. Während einige Frauen keine andere Wahl hatten, als weiter zu arbeiten und familiären Pflichten auch während ihrer Therapien nachzukommen, waren andere nicht in der Lage dazu, wegen der anhaltenden Nebenwirkungen. [Und wenn wir ehrlich sind, wird uns allen doch weis gemacht, dass es auch für all das noch ein tolles weiteres „supportives“ Medikament gibt. Und das war es dann und natürlich müssen wir dankbar sein.]

Es gibt wenig systematische Forschung zu anhaltenden oder latenten Nebenwirkungen nach der Behandlung, und es gibt wenig Informationen für Patientinnen zu diesen Themen. Während einige große Krebszentren Programme für Überlebende nach der Behandlung anbieten, müssen die meisten die Behandlung in ihrem Umfeld ohne diese Ressourcen überstehen. Ein kürzlich erschienener Artikel in The Wall Street Journal berichtet, dass „Patientinnen sich nach der aktiven Behandlung wie am Rande einer Klippe fühlen.“

Woran könnte dies liegen? Abel und Subramanian folgern: „Das Leben in einer Gesellschaft, die erwartet, dass alle Klippen überwunden werden, führt dazu, dass viele Überlebende intensive Scham bezüglich ihrer andauernden gesundheitliche Probleme empfinden.“ Konsequenterweise forderten einige daher weder ihr Recht auf Unterstützung bei der Arbeit, noch verlangten sie eine angemessene Unterstützung zu Hause. [Und wenn es genau nehmen: Mit dem „Verlangen“ oder auch dem Insitieren auf Rechten ändert sich nicht wirklich viel.] Auch die Erwartungen an eine triumphale Heilung prägen die Verschleierung komplizierter Realitäten des Lebens mit Krebs und dem Leben nach der Therapie. Diese [komplizierten Realitäten] müssen realisiert, vermittelt und adressiert werden, [genau das passiert aber nicht].

Die 74 Frauen, die in „After the Cure“ befragt wurden, hatten zum Zeitpunkt der Interviews „no evidence of disease“ (NED, [also keinen Nachweis einer Krebserkrankung]). Seitdem haben 12 Frauen einen Krankheitsrückfall erlitten. Die Studie wurde zum Teil von Susan G. Komen for the Cure finanziert.

Danksagung

Danke an dieser Stelle an Gayle Sulik, die diese Übersetzung genehmigt hat und die in ihrer Arbeit als Medizinsoziologin hinsichtlich ihrer Solidarität einzigartig ist.

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Originalartikel „After the Cure“ im Galye Sulik Blog

„After the Cure“ bei Google Books

Bibliographische Angaben

After the Cure: the untold stories of breast cancer suvivors,
Emily K. Abel und Saskia K. Subramanian.
New York: New York University Press, 2008.
ISBN 0814707254, 9780814707258

Bildnachweis: Abbildung des Covers mit freundlicher Genehmigung der Autorin