Oncotype DX-Test: Die NBCC-Position

(Last Updated On: 2. September 2018)

Die National Breast Cancer Coalition (NBCC, größter Zusammenschluss von Frauenorganisationen zu Brustkrebs in den USA, die sich um Evidenzbasierung bei Erarbeitung ihrer Positionen bemüht) hat im Juni 2018 ein informatives Statement zur TAILORx-Studie veröffentlicht.

Kritische Sicht auf Chemotherapie

Die NBCC verweist darauf, dass sie schon immer die Position eingenommen habe, dass ein großer Prozentsatz der toxischen Behandlungen (Chemotherapien) bei Brustkrebs unnötig sei. Frauen würden oft überbehandelt, was erheblichen Schaden und fragwürdigen Nutzen zum Ergebnis habe.

Beteiligung bei TAILORx-Studie

Deswegen hatte die NBCC ab dem Jahr 2005 gemeinsam mit dem dortigen Nationalen Krebsinstitut (National Cancer Institute) die TAILORx-Studie unterstützt, vertreten z.B. durch die 2009 an den Folgen von Brustkrebs verstorbene stellvertretende Präsidentin der NBCC, Carolina Hinestrosa.

Festgestellt werden sollte, ob bestimmte Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem, nodal-negativem Brustkrebs bei Ersttherapie auf eine adjuvante Chemotherapie verzichten könnten. An der Auswertung der Studiendaten wurde eine Patientenvertreterin der NBCC (Musa Mayer) beteiligt.

Die NBCC hat die Studie auch bei der Suche nach Studienteilnehmerinnen unterstützt, denn es gab vor dem Start Befürchtungen, dass sich keine Studienteilnehmerinnen finden, die in Kenntnis möglicher Risiken auf eine Chemotherapie freiwillig verzichten würden, um sich lediglich einer antihormonellen Therapie/Strahlentherapie zu unterziehen. Doch die Chemotherapie mit ihren schwerwiegenden Nebenwirkungen ist äußerst unbeliebt bei Frauen und: Frauen wollen Antworten, so die NBCC. Über 10.000 Frauen haben sich schließlich an der Studie beteiligt.

Einstufung des Rezidivrisikos

Das Rezidivrisiko von neu an Brustkrebs erkrankten Frauen kann anhand vorhandener Untersuchungsmethoden bisher drei Gruppen mit niedrigem, mittlerem oder hohem Rezidivrisiko zugeordnet werden. 69 Prozent der Studienteilnehmerinnen der TAILORx-Studie waren der Gruppe der Erkrankten mit mittlerem Erkrankungsrisiko zugeordnet worden. Ihnen soll, so die Theorie, der Oncotype DX-Test bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie helfen, die Entscheidung zu treffen. (Frauen mit niedrigem Risiko können auf die Chemotherapie sowieso verzichten, Frauen mit hohem Risiko sollen sie auch weiterhin erhalten.)

Zwischenstand: Ergebnisse nach neun Jahren

Nach neun Jahren Nachbeobachtungszeit wurden jetzt Ergebnisse vorgestellt, die darauf hinweisen, dass die Chemotherapie zusätzlich zur Hormon- und Strahlentherapie für die meisten Frauen mit „mittlerem Risiko“ keinen Unterschied im Ergebnis bedeutet. Frauen unter 50 Jahre hatten einen Vorteil durch die Chemotherapie, der sich bisher jedoch nicht im Gesamtüberleben zeigte. Die Datenlage wird hoffentlich weiter nachbeobachtet, denn auch nach neun Jahren könnte sich die Datenlage noch einmal verändern.

Die deutsche Krebsgesellschaft schätzt, dass 60 Prozent der jährlich neu erkrankten Patientinnen der Gruppe „mittleres Rezidivrisiko“ zugeordnet werden können.1 Würde der Test entsprechend bei diesen rd. 49.000 neu erkrankten Patientinnen in Deutschland angewendet, beliefe sich der Umsatz für diesen Test2 allein in Deutschland auf knapp 156 Mio Euro. Die Herstellerfirma wirbt damit, dass es sich um den kosteneffektivsten Test handele, denn er stelle für die Krankenkassen pro Jahr 577 Millionen Euro Einsparung gegenüber der Chemotherapie dar („Nettoeinsparung“: 4.001 Euro pro getestete Patientin).3

Wieder: Nicht der erhoffte „Durchbruch“

„Was bedeutet das für Frauen?“ fragt die NBCC in ihrem Statement. Die Evidenz für den Nutzen der Chemotherapie in dieser Patientinnengruppe sei nie sehr stark gewesen. Die TAILORx-Ergebnisse seien insofern ein weiterer Hinweis darauf, dass viele Frauen möglicherweise auf eine Chemotherapie verzichten können.

Die Ergebnisse haben jedoch keinen positiven Einfluss auf das Überleben insgesamt, denn an der Anzahl der Frauen, die weiterhin an den Folgen von Brustkrebs sterben, kann der Test nichts ändern. Die NBCC hatte sich ambitioniert zum Ziel gesetzt, bis zum 1. Januar 2020 eine Möglichkeit zur Heilung von Brustkrebs zu finden. Ein entsprechender Countdown läuft deswegen seit Jahren auf ihrer Webseite. Die Einsicht, auch mit diesen Gentests dem gewünschten Ergebnis kein bisschen näher gekommen zu sein, ist bitter. Der Countdown läuft … ab.

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National Breast Cancer Coalition TAILORx Trial Statement (June 2018)

References

  1. Prognosetests bei Brustkrebs, Deutsche Krebsgesellschaft, 23.02.2017, Abruf 03.08.2018
  2. derzeit 3.180 Euro je Test
  3. „Neue Studie: Oncotype DX® ist der kosteneffektivste Genexpressionstest bei Brustkrebs“, s. https://www.oncotypeiq.com/-/media/International_Images_Files_KW/Neue_Studie_OncotypeDX_ist_der_kosteneffektivste_Genexpressionstest.ashx?la=de-DE, Pressemitteilung v. 17.03.2017 (pdf, Abruf 03.08.2018)
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