Platz 2 für das schlechteste EU-Lobbying geht an „Cancer United“-Kampagne

(Last Updated On: 26. Januar 2007)

Die PR-Agentur Weber Shandwick wurde für den Aufbau einer Tarnorganisation nominiert, die angeblich die Zugangsmöglichkeiten zu Krebsbetreuung verbessern will. Tatsächlich förderte sie aber die Interessen des Pharma-Riesen Roche. Cancer United startete am 19. Oktober in Brüssel. Die Initiative behauptet von sich, eine Koalition aus Ärzten, Krankenpflegern und Patienten zu repräsentieren, die auf den gleichberechtigten Zugang zur Krebsbetreuung in der EU drängen.

Die PR Agentur Weber Shandwick leitet das Sekretariat der Initiative. Bei dem Bemühen, Vorstandsmitglieder für Cancer United zu gewinnen und die Initiative bei der Presse und Kliniken bekannt zu machen, verschwieg sie, dass die Initiative vollständig von Roche, dem weltgrößten Hersteller von Krebsmedikamenten, finanziert wurde.

Die Kampagne hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Million Unterschriften zu sammeln und die Europäische Kommission zu einer EU-weiten Strategie zur Krebsbehandlung zu drängen.

Wichtige Argumentationsbasis für Cancer United ist eine Studie des Karolinska Instituts in Schweden, die ebenfalls von Roche finanziert wurde. Sie bringt die Überlebensraten von Krebspatienten mit den öffentlichen Ausgaben für Medikamente in Zusammenhang. Laut Aussage eines führenden Krebsexperten aus Großbritannien, Michel Coleman, sei dieser Bericht mit großen Fehlern behaftet und die Schlussfolgerungen seien falsch.

Wegen der Bedenken über die Finanzierungsquelle und den Mangel an Transparenz, die durch Enthüllungen des „Guardian“ über die Rolle von Roche und Weber Shandwick aufkamen, lösten sie einen Exodus aus: Mitglieder des Europäischen Parlaments, die Vorsitzende der Europäischen Krebspatienten Vereinigung, und der ehemalige Sprecher des britischen Premierministers zogen sich schleunigst aus dem Vorstand von Cancer United zurück.

Quellen:

http://www.worstlobby.eu/showtext.php?name=press

http://www.worstlobby.eu/

Lobbycontrol: Initiative für Demokratie und Transparenz: Bericht zum Award 2006

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