Ingeborg Bachmann: Reklame

(Last Updated On: 12. Oktober 2013)

Ingeborg Bachmann: Reklame

 

Wohin aber gehen wir

ohne sorge sei ohne sorge

wenn es dunkel und wenn es kalt wird

sei ohne sorge

aber

mit musik

was sollen wir tun

heiter und mit musik

und denken

heiter

angesichts eines Endes

mit musik

und wohin tragen wir

am besten

unsre Fragen und den Schauer aller Jahre

in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge

was aber geschieht

am besten

wenn Totenstille

 

eintritt

Quellenangabe: Ingeborg Bachmann. Werke. Erster Band. 2. Aufl. München
(Piper) 1982. S. 114.

© Ingeborg Bachmanns Erben Dr. Christian Moser Wien, Veröffentlichung mit
freundlicher Genehmigung.

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& Bachmann hören [Deutschlandfunk, 25.06.2006 zum 80. Geburtstag]

Bildnachweis – Artikelbild:  Grafitti von Jef Aerosol am Musilhaus in Klagenfurt: Ingeborg Bachmann (gemeinfrei) 

1 Kommentar
  1. Hallo,
    ich habe gerade eine Deutschklausur über dieses Gedicht geschrieben und habe ein paar Dinge zu Tage gefördert, die ich im Internet nicht finden konnte:

    1. I.B. zeichnet einen Komplementärentwurf zur Marxschen Entfremdungstheorie.
    Indem die Werbung den Menschen eine Ersatzidentität aufzwingen will, bleibt dem Menschen auch im Privatleben kein Raum zum Sein.

    2. Die Wiederholung der Werbebotschaften bringt Konsumindoktrination zum Ausdruck.

    3. Eratzreligion (wird nur angesprochen, nicht aber genauer untersucht)
    Begriffe wie Preis ersetzen „Lobpreisung“, der Schuldige wird zum Schuldner, der Gläubige zum Gläubiger. Da Werbung nun mal etwas mit Wirtschaft zu tun hat, hielt ich diese Analogie für angemessen.

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