SABCS 2013 (IV): Mammographie-Screening

(Last Updated On: 16. Dezember 2013)

Dr. H. Gilbert Welch (Dartmouth Institute for Health Policy and Clinical Research) eröffnete das San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2013 mit einem Vortrag zu „Mammographie und Überdiagnose“. Er ist lt. Susan Love  (s. San Antonio Breast Symposium – First Day von Dr. Susan Love) bekannt für seine dem Screening gegenüber skeptische Haltung. Mit Dr. Welch gemeinsam hat Breast Cancer Action 2013 an dem Webinar „Die zu starke Vereinfachung von Früherkennung: Mammographie-Screening und die Überdiagnose von Brustkrebs“ (s. unten) zusammengearbeitet.

„Mammographie ist keine Public Health Maßnahme“

Nach all dem Druck auf Frauen, der über den Zeitraum von Jahrzehnten immer weiter intensiviert wurde, sich einem regelmäßigen Mammographie-Screening zu unterziehen, verweist Dr. Welch darauf, dass Mammographie eine Wahlleistung und keine Notwendigkeit der öffentlichen Gesundheitspflege sei.

Zitat Dr. Welch: „Breast Cancer Screening is a choice – not a public health imperative.“

Die Diskussion dreht sich dabei nicht um die diagnostische Mammographie für Frauen, die Symptome von Brustkrebs haben, die Mammographie zur Diagnostik von Krankheitszeichen wird nicht in Frage gestellt. Es geht um die Reihenuntersuchung, bei der sich gesunde Frauen regelmäßig mit Mammographie röntgen lassen, um Brustkrebs früher zu finden.

Anstieg von Diagnosen im Frühstadium – geringfügige Senkung von Diagnosen im Spätstadium – keine Reduktion bei der Metastasierung?

Es gehe nicht allein darum, die Krankheit früher zu finden, vielmehr müsse die frühere Diagnose auch Vorteile bringen, wie z.B. eine längere Überlebenszeit oder eine Senkung des Anteils der Frauen, die ihre Diagnose erst im Spätstadium erhalten, wenn die Krankheit bereits weiter fortgeschritten und damit weniger gut behandelbar ist. Doch genau dies funktioniere bisher nicht wirklich. Auch gäbe es durch die Screening-Mammographie keinen Rückgang bei der Anzahl der Frauen, die an metastasiertem Brustkrebs erkrankten.

Zur Qualität bisheriger Studiendaten

Dr. Welch beklagte die schlechte Qualität der bisher vorliegenden Studiendaten zum Mammographie-Screening. Eine weitere Präsentation des Tages, vorgetragen von Dr. Robert A. Smith, der ein Screening-Programm der Amerikanischen Krebsgesellschaft in Atlanta leitet und als Befürworter von Mammographie-Screening gilt, befasste sich mit diesen Daten und seinem Diskussionspapier „Missverhältnisse der Schätzungen zu Nutzen und Schaden durch Mammographie“ (Disparities in the estimates of the benefits and harms from mammography). Die Schätzungen zur Reduktion der Sterblichkeit durch Früherkennung mit Mammographie schwanken zwischen 0 und 25%.

Brustkrebssterblichkeit und Therapiequalität

Es gäbe seit 1990 eine Senkung der Brustkrebssterblichkeit um 30%  und bei Hormonrezeptor positivem Brustkrebs sogar um 50%, doch sie gehe auf bessere Therapien, nicht auf Mammographie-Screening zurück. Mindestens 997 von 1000 Frauen hätten keinen Vorteil durch die Teilnahme an einem Mammographie-Screening-Programm.  Hinsichtlich eines bevölkerungsbezogenen Programms müsse vor allem auch geschaut werden, wie viel Krankheit eine solche Maßnahme verursache.

Epidemie der Brustkrebsdiagnosen

Jede vierte Krebserkrankung, die mit Mammographie-Screening entdeckt wird, soll nach einer Schätzung von Dr. Welch den betroffenen Frau zu Lebzeiten nie Probleme verursachen – und dies sei, so seine Aussage, eine niedrige Schätzung. Besonders kritisch sieht er die vielen Diagnosen von Vorstufen (DCIS). Brustkrebs sei keine Epidemie, aber es gäbe eine Epidemie der Diagnosen.

Wenn wir den extrem sprunghaften Anstieg der Brustkrebsdiagnosen in den letzten Jahren seit der Etablierung des Mammographie-Screenings in Deutschland sehen, scheint diese Beobachtung auch bei uns zuzutreffen. Eines Tages werden die Daten aus dem weltweit größten bevölkerungsbezogenen Mammographie-Screening-Programm in Deutschland vielleicht ebenfalls in San Antonio vorgestellt. Doch darauf müssen wir noch warten.

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SABCS 2013: Screening Mammography and Overdiagnosis – von Karuna Jaggar, Executive Director Breast Cancer Action

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