SABCS 2012 – I: Tamoxifen für 5 oder 10 Jahre? Ergebnisse der ATLAS-Studie

(Last Updated On: 1. Juni 2019)

Karuna Jaggar, Executive Director von Breast Cancer Action, berichtet in diesem Jahr aus San Antonio, Texas, USA, vom “San Antonio Breast Cancer Symposium” (SABCS), der Superlative unzähliger Kongresse, die weltweit zu Brustkrebs durchgeführt werden.

Mit den auf dem „SABCS“ vorgestellten Nachrichten aus der Brustkrebsforschung wird weltweit viel Geld bewegt, es werden Karrieren von WissenschaftlerInnen zementiert. Aktienkurse der großen Pharma-, Medizingeräte- und Diagnostikakonzerne steigen oder fallen und in der Folge wird dieses vielfach ökologisch gesteuerte Wissen in Leitlinien gegossen, in denen fixiert wird, wie Frauen mit Brustkrebs behandelt werden sollen.

Altes Medikament – neuere Daten

Zu Tamoxifen, einem Antiöstrogen, das zu den erfolgreichsten bisher entwickelten Medikamenten gegen Brustkrebs gezählt wird, berichtete bereits eine der ersten aktiven Brustkrebspatientinnen, Rose Kushner, die das Medikament zunächst bei fortschreitender Behandlung erhielt. Bisher war die „herrschende Lehrmeinung“, dass fünf Jahre Tamoxifen Behandlungsstandard sind und eine Verlängerung der Therapie keinen Vorteil bringt. Das Medikament wird in der „Primärtherapie“ eingesetzt, um einen „Rückfall“ (lokales Rezidiv oder Metastasierung) zu verhindern. Lt. Karuna Jaggar, die für die USA berichtet, ist das Medikament noch heute für rund zwei Drittel der Frauen, die an Östrogen Rezeptor-positivem Brustkrebs erkrankt sind, die „Standardbehandlung“. Das Medikament wird heute „generisch“ vermarktet, die Patente für den Wirkstoff sind abgelaufen und Pharmahersteller können das Medikament billig herstellen. Die Sterblichkeit an Brustkrebs soll durch die Therapie um rund ein Drittel gesenkent werden – das heißt, die Einnahme kann rund einer von zehn auf diese Weise behandelten Frauen das Leben retten.

 ATLAS – Tamoxifen länger oder kürzer?

Die Studie, zu der jetzt in San Antonio neuere Ergebnisse vorgestellt wurden, heißt ATLAS – (Adjuvant Tamoxifen: Longer Against Shorter = Vorbeugend Tamoxifen – Länger gegen kürzer). Die Untersuchung sei 1996 gestartet worden, berichtet Jaggar. Insgesamt seien 6846 Frauen mit Östrogen Rezeptor-positivem Brustkrebs aus verschiedenen Ländern beobachtet worden.  54% der Patientinnen hätten keine befallenen Lymphknoten gehabt. Der Unterschied, der sich nach 10 Jahren Tabletteneinnahme gezeigt habe, sei jedoch eher gering gewesen. Von den Frauen, die zehn Jahre lang Tamoxifen eingenommen hatten, erlitten 21,4% einen Rückfall. Nach fünf Jahren Tamoxifen waren es im Vergleich dazu 25,1% der Frauen. Die absolute Differenz beträgt hier 3,7%. Betrachtet man die Brustkrebssterblichkeit, so starben im Untersuchungszeitraum von zehn Jahren 12,2% der Frauen, die zehn Jahre lang Tamoxifen eingenommen hatten, im Vergleich zu 15%, die das Medikament nur fünf Jahre lang eingenommen hatte (in absoluten Zahlen beträgt die Differenz 2,8%).

Ergebnisse erst nach 10 Jahren

Während der Zeit zwischen dem fünften und neunten Jahr lagen die Zahlen in beiden untersuchten Gruppen nah beieinander, die Ergebnisse waren sich sehr ähnlich.

Nebenwirkungen

Dass die Einnahme von Tamoxifen zu Nebenwirkungen führt, ist ebenfalls bekannt. Die Verdoppelung der Einnahmedauer verdoppelt auch das Risiko von Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom, Anstieg von 1,6% auf 3,1%) und dem Risiko für Tod in Folge von Gebärmutterkrebs mit einem Anstieg von 0,2% auf 0,4%. Zusätzlich gab es mehr Blutgerinnsel, jedoch nicht mehr Todesfälle als Folge der Bildung von Blutgerinnseln. Einbußen bei der Lebensqualität durch die Tabletteneinnahme bewegten in der ATLAS-Studie rund 30% der Frauen, das Medikament frühzeitig wegen Nebenwirkungen abzusetzen.

Unsicherheitsfaktoren

Karuna Jaggar berichtet von den Diskussionen unter Patientinnen und ÄrztInnen auf dem Kongress. Zu erheblicher Unsicherheit führe dabei der Unsicherheitsfaktor, denn keiner Patientin kann ein Behandlungserfolg zugesichert werden. Frage sei, ob der vergleichsweise relativ geringe Nutzen eine zusätzliche Phase der Medikamenteneinnahme rechtfertige. Besonders jüngere Patientinnen könnten möglicherweise ihre Prognose bei Östrogen Rezeptor-positivem Brustkrebs verbessern. Dass das Medikament jedoch nicht zu jenen Medikamenten gehöre, die von Frauen „gut toleriert“ würden, berichtet Anne Marie Ciccarella, die als Patientinnenvertreterin ebenfalls in San Antonio vor Ort ist, in ihrem Blog.

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