„Ich lebe“ von Sandra Fleck

(Last Updated On: 28. Dezember 2003)

Rezension: Gudrun Kemper, 2003

Ich lebe, kämpfe und siege: Krebs bedeutet nicht das Ende

Cover Sandra Fleck's Buch

Cover Sandra Fleck's Buch

Sandra Fleck hat ein dichtes und gut lesbares Buch des Lebens geschrieben. Die junge Wienerin, Jg. 1967, erkrankte 1991 mit 24 Jahren an Brustkrebs und dokumentiert ihre Geschichte und ihren Weg, mit Brustkrebs zu leben. Das Buch ist damit keine der so gern verbreiteten mystischen „Ich-habe-den-Krebs-besiegt“-Geschichten, sondern es bleibt ehrlicher und realistischer. Zunächst erlebt sie, was jungen Frauen häufig passiert, Brustkrebs wird beinahe ausgeschlossen, nur „sicherheitshalber“ wird der Tumor entfernt. Und es ist doch Krebs. Nur wenige Lymphknoten werden entfernt, ohne Befund. Nicht jedoch ein geschwollener Lymphknoten, der als harmlos eingestuft wird: und zwei Jahre später wird der Krebs auch hier entfernt – Versäumnisse, die zur Beharrlichkeit in eigener Sache animieren. Unser Körper sendet Signale. Sandra Fleck beschreibt, wie Reisen ihr immer wieder helfen, Kraft zu tanken und ihren Weg weiter zu gehen. Sie schreibt über ihre Ehe, Kinderwunsch und auch darüber, wie gerne die Umwelt von Arbeitskolleginnen bis in die eigene Familie hinein die Krankheit doch verdrängen würden. Ihr Buch ist mit seinem Untertitel „Krebs bedeutet nicht das Ende …“ auch und nicht zuletzt ihre eigene Beschwörungsformel und tiefer Wunsch, dass etwas gefunden werden möge, um Brustkrebs endlich etwas Wirksames entgegenzusetzen.

In ihrer eigenen Realität lebt sie später von Tag zu Tag. Oftmals schmerzlich muss sie respektieren, dass sie immer neue Therapien braucht, um den Krebs in Schach zu halten. Sie kämpft für ihre eigene optimale menschliche medizinische Betreuung, die sie schließlich auch findet. Sie zeigt damit, wie sehr es Krebspatienten hilft und auch wie notwendig es ist, sich aufgehoben zu fühlen in einer „humanen Medizin“. Mit ihrem Buch kann sie vielen eine Hilfe sein, denn sie sagt, wo sie sich mehr Unterstützung und Offenheit gewünscht hätte und wie wichtig vor allem auch Gespräche, die die Erkrankung nicht immer nur komplett ausblenden, sind. Etwa: Sprecht mit uns, solange es noch geht – und gebt uns auch mal den Porsche für eine Spritztour raus … Auffällig: die Brustkrebsbewegung ist auch in Österreich noch kaum etabliert, so kämpft auch Sandra viel alleine. Ein sehr persönliches, kostbares und wertvolles Buch, dem ich sehr viele Leserinnen und Leser wünsche.

Sandra Fleck, die Ende 2003 starb, hat auch eine Website mit Forum & Chat, die hoffentlich zu ihrer Erinnerung erhalten bleibt: www.brustkrebs.or.a

1 Kommentar
  1. Leider ist inzwischen Sandras Seite offline, sind immerhin schon 19 Jahre vergangen seit sie verstorben ist. Sandra bleibt trotzdem unvergesslich.
    Ich denke oft an Dich, ein Freund.

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