TAMARA 1952 – 1996

(Last Updated On: 10. Mai 2009)


Am 22. Juli 1996 starb Tamara Danz an Brustkrebs. „Sie war die bedeutendste Rocksängerin der DDR. Eigensinnig, aufsässig, intelligent.“ Damit beginnt der Film „TAMARA“ von Regisseur Peter Kahane, der in einer 58-minütigen Version in der Reihe „Wir sind das Volk“ im Mai 2009 bei arte gezeigt wird.  Mit Tamaras Tod hörte Tamaras Band „Silly“ auf zu existieren. „Silly ruht“, so nennen es ihre Musiker, auch wenn es einige kleine Wiederbelebungsversuche auch in jüngerer Zeit gab.

Was mit Tamara Danz passierte, ist inzwischen einigen Millionen Frauen mehr passiert. Und die Fragen nach dem „Warum“ sind weiter ohne Antwort. TAMARA kann dem nicht mehr aufsässig auf die Spur gehen, und ihr Gesicht in dem Film ist fast durchgängig von solcher Traurigkeit des Lebens gezeichnet, dass man meinen könnte, sie habe es immer gewusst.

Und dann steh ich nachts am Fenster
und dann schau ich in den Abgrund
der mich müd‘ und hilflos macht
Und dann heul ich in die Kissen
Und dann lieb ich einen Mann
Und er holt mich wieder runter  …

Die Texte im Film und die intensiven Passagen, die in der Intensität deutschsprachiger Musik bis heute selten geblieben sind, verstärken die tiefe Traurigkeit. Viele dieser Texte schrieb Werner Karma. „Damals war es unsere Möglichkeit, den DDR-Verhältnissen etwas entgegen zu setzen.“ Wer sich zurückversetzen möchte in diese Zeit, in die 1970er, 1980er Jahre, wer die Zeit miterlebt hat, kann in diesen Film mit Tamara abtauchen.

„Ja, so ist das Leben, ja so isses eben. Nach der ersten Sause kommt ne große Pause …“

Mit der Musik nehmen die Silly-Musiker ihre Möglichkeiten wahr, ihr Leben anders zu gestalten. Zensurbestrebungen können sie sich ebenso erfolgreich widersetzen wie auch Anpassungen an das System, dem viele Andere um des Erfolges willen damals – wie heute – nicht widerstehen. Die Musik wird zum Mittel, das Ghetto zu durchbrechen.

Mitten in die Produktion zur „Paradies-Platte“ knallte die Nachricht rein, berichtet Uwe Hassbecker. Tamara hat Krebs. „Du hörst die Musik mit ganz anderen Ohren.“ Beim Mischen der Musik heult auch er stundenlang. Und Ritchie Barton muss sich mit Herzschmerzen ebenfalls im Krankenhaus behandeln lassen.

Tamara wollte keine fremden Leute in der Wohnung. Die Band pflegte sie bis zum Schluss durch Zeiten des Hoffens und des Bangens.

Meine Uhr ist eingeschlafen
Ich hänge lose in der Zeit
Ein Sturm hat mich hinausgetrieben
Auf das Meer der Ewigkeit
Gib mir Asyl, hier im Paradies …

Sendetermin:

17. Mai 2009 bei arte

Weiterlesen

Gib mir Asyl. Hier im Paradies: Die Rocksängerin Tamara Danz sprach kurz vor ihrem Tod mit Alexander Osang über ihre letzte Platte. Über Heimat und ihre erste Westreise.  Interview aus der Berliner Zeitung vom 25. Juli 1996

Nur den Moment, um mich auszuruh’n: Tamara-Danz-Berichterstattung von Alexander Osang über „Die Puhdys und Tina Turner, über die BILD-Zeitung und das DDR-Fernsehen, Wolf Biermann und Lutz Bertram, über Heiraten und über den Tod“. Bericht aus der Berliner Zeitung vom 25. Juli 1996

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