RETHINK! Umweltrisiken für Krebs reduzieren: Was wir tun können (President’s Cancer Panel)

(Last Updated On: 5. Dezember 2016)
Das umweltbedingte Krebsrisiko senken: Was wir tun können >>> zum pdf

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In den USA ist gerade eine andere Art nationaler Krebsplan veröffentlicht worden. Herausgeber sind das U.S. Department of Health and Human Services, die National Institutes of Health und das nationale amerikanische Krebsinstitut National Cancer Institute. Noch unter Präsident George W. Busch war das „President’s Cancer Panel“ einberufen worden, das mit dem Report Reducing Environmental Cancer Risks: What We Can Do Now den Jahresbericht 2008/2009 vorgelegt hat. Die Anerkennung, die dem Thema Umwelt und Krebsentstehung jetzt  zugesprochen wird, ist eine Überraschung. Ob Fachgesellschaften oder Gesundheitspolitik: Umwelt und Krebsentstehung standen bisher kaum im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Stattdessen müssen wir seit Jahrzehnten zusehen, wie unsere Lebenswelten mehr und mehr mit karzinogenen Stoffen kontaminiert werden: Von der Nahrung, die wir essen, dem  Wasser, das wir trinken, und der Luft, die wir atmen, von der Arbeitswelt bis in die häusliche Umgebung und von der Natur, die uns umgibt. Ob Medikamentenrückstände im Trinkwasser oder Pestizide und andere Chemikalien in Nahrungsmitteln, ob Östrogene in Kosmetika oder die Erkenntnis, dass Muttermilch inzwischen eines der mit Schadstoffen am höchsten belasteten Nahrungsmittel ist, nichts konnte uns aufrütteln, auch und besonders die etablierten Krebsorganisationen nicht. „Behandeln, nicht konsequent vermeiden“ bestimmte die alleinige Richtung. 5 mal Obst und Gemüse am Tag – aber wie denn, wenn diese wichtigen Nahrungsmittel mit Pestiziden und anderen künstlichen Substanzen nur so vollgestopft sind, dass von Natur kaum noch die Rede sein kann? Krebs als persönliches Schicksal, nicht als Politikum.

Erste Wellen hat der Bericht bereits in der New York Times und diversen anderen Medien geschlagen. Ausgerechnet die Amerikanische Krebsgesellschaft (American Cancer Society) kritisiert den Bericht als übertrieben.  Ob da ein wenig das schlechte Gewissen mit eine Rolle spielt, das Thema eventuell doch ein klein wenig vernachlässigt zu haben, während immer neue hoch toxische Chemotherapeutika den Kreislauf der Krebsentstehung erneut mit antreiben helfen? Auch sie landen – mit ihren für unsere Kinder und Enkel nicht absehbaren Folgen – über die Nahrungskette in unserer Umwelt, in unserem Trinkwasser und  in unseren Nahrungsmitteln.

Der Report des Präsidenten-Panels legt nahe, dass umweltbedingt auftretende Krebserkrankungen „grob unterschätzt“ werden.  Er warnt vor schweren Schäden durch Chemikalien und anderen Gefahren wie z.B. zu viel Röntgenstrahlen durch medzinische Untersuchungen und verweist auf zunehmende Belege, die Verbindungen zwischen Umweltexposition und Krebserkrankung bestätigten. So berichtet es auch Denise Grady in ihrem Bericht in der New York Times vom 6. Mai 2010. Der Report hebt die besondere Gefährung von Kindern hervor und fordert die Regierung auf, Forschung und Gesetzgebung zu verstärken. Im am Anfang des Reports abgedruckten Anschreiben wird nun Präsident Obama aufgefordert, Karzinogene und andere Toxine aus unserer Nahrung, Wasser und Luft, die unnötigerweise die Kosten des Gesundheitswesens hochtreiben, zu beseitigen. Ob Industrie oder Landwirtschaft, Lebensstil oder die Medizin, Militär oder die Natur selbst, zumindest werden diese Bereiche eingehend hinsichtlich ihres Krebs auslösenden Potentials betrachet.

Fast 80.000 Chemikalien seinen in den USA in Gebrauch, doch nur ein paar hundert wurden aus Sicherheitsgründen, so stellt der Bericht fest, tatsächlich getestet. Genau dies stellte übrigens auch Helen Lynn in der WECF-Publikation Linking Breast Cancer and our Environment fest, die deutsche Ausgabe „Brustkrebs und Umwelt“ soll noch in diesem Jahr erscheinen.

Der neue Report kommt zu dem Schluss, dass  wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt  nicht wissen, wie stark Umwelteinflüsse das Krebsrisiko beeinflussen.  Die Amerikanische Krebsgesellschaft schätzt bisher, dass rund 6% aller Krebserkrankungen in den USA – was 34.000 Fällen entspräche – umweltbedingten Ursachen zuzuschreiben seien, immerhin 4% der Krebserkrankungen sollen ihr zufolge außerdem auf berufliche Expositionen zurückgehen. Allein dem Rauchen schreibt die Krebsgesellschaft allerdings 30% aller Todesfälle durch Krebs zu. Schlechte Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel sollen der Amerikanischen Krebsgesellschaft zufolge ebenfalls das Krebsrisiko stärker beeinflussen als die Umweltverschmutzung.

Die Autoren des Reports räumten ein, dass es unmöglich sei, anzugeben, wie viele Krebserkrankungen durch Umwelteinflüsse ausgelöst würden, weil es nicht ausreichend erforscht worden sei. Jedoch sei man zuversichtlich, dass sich mit weiterer Forschung die Behauptung bestätige, dass das Problem grob unterschätzt werde
Der Bericht gibt erste Empfehlungen, die wir selbst umsetzen können, um Risiken zu senken: Schutz der Kinder durch die Auswahl von Lebensmitteln; Haus und Garten, Spielzeug, Medikamente und medizinischen Tests genau prüfen und die Belastung mit toxischen Stoffen und Gefährdungen minimieren. Hinweise, wie dies gelingen kann, gibt Women in Europe for a Common Future (WECF e.V.) z. B. unter www.nestbau.info (auch in deutscher Sprache).

Filtern von Leitungswasser und Abschied vom Wasser aus Plastikflaschen (Lagerung in Edelstahl oder Glas oder anderen Behältern) zur Vermeidung der Exposition gegenüber Bisphenol A und anderen Kunststoffbestandteilen, da verschiedene Studien bereits gezeigt haben, dass  gesundheitliche Probleme damit verknüpft sind (s. dazu auch unseren Bericht Beunruhigendes Mineralwasser: Östrogene aus der Plastikflasche.

Die Erstellung von Einkaufsführern wird empfohlen, um den Einkauf von Nahrungsmitteln ohne Pestizide oder chemische Düngemittel zu erleichtern und Fleisch einzukaufen, das frei von Antibiotika und Hormonen ist. Wie Einkaufsführer aussehen könnten, zeigt beispielhaft www.bioeinkaufen.de (bisher leider nur für Niedersachsen).

Jedenfalls scheinen wichtige Arbeiten wie State of the Evidence: Breast Cancer and the Environment oder die Nomorebreastcancer-Campaign aus Großbritannien, vielleicht aber auch die unermüdliche Arbeit von Sandra Steingraber, aktuell mit ihrer filmischen Dokumentation ihres Buches Living Downstream, nun nicht mehr so ganz von der Hand zu weisen zu sein.  Und nicht zuletzt waren die USA bereits mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Al Gore näher dran, unsere überlebenswichtigen Umweltprobleme auf die Tagesordnung zu stellen. Auch wenn es bereits einige Jahre her ist, so ist es hoffentlich jetzt nicht zu spät …

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U.S. Panel Criticized as Overstating Cancer Risks: Berichterstattung von Denise Grady in der New York Times v. 06.05.2010

Gestörte Weiblichkeit – Endokrine Disruptoren und das weibliche Fortpflanzungssystem (pdf) von Women in Europe for a Common Future e.V.

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