Weltgesundheitsversammlung der WHO: Deutschland blockiert Transparenz (Pressemitteilung der BUKO Pharma-Kampagne)

(Last Updated On: 6. Juni 2019)

Der nachfolgende Text wurde übernommen aus der Pressemitteilung der BUKO Pharma-Kampagne vom 23.5.2019

Auf der Weltgesundheitsversammlung wird derzeit eine wichtige Resolution diskutiert, die für mehr Transparenz bei Arzneimittelpreisen sorgen soll. Doch Deutschland torpediert die Verabschiedung. Mit einem offenen Brief an Jens Spahn fordern wichtige deutsche Nichtregierungsorganisationen den Bundesgesundheitsminister auf, die Blockade aufzugeben.

Hohe Preise behindern in vielen Ländern den Zugang zu Medikamenten. Gerechtfertigt wird das oft mit dem hohen Aufwand für Forschung und Entwicklung. Die tatsächlichen Kosten sind jedoch meist ebenso wenig bekannt wie der Anteil öffentlicher Forschungsmittel. Identische Präparate kosten je nach Land unterschiedlich viel, soweit die tatsächlich gezahlten Preise überhaupt bekannt sind. Auch der Nutzen vieler Medikamente bleibt angesichts unvollständiger Veröffentlichung der Ergebnisse klinischer Studien unklar.

Italien, Griechenland, Ägypten, Malaysia, Portugal, Serbien, Slowenien, Südafrika, Spanien, Tunesien, die Türkei und Uganda haben deshalb eine Resolution eingebracht. Sie soll mehr Klarheit in den ganzen Prozess von der Ausrichtung der Forschung bis zur Finanzierung von Medikamenten für die PatientInnen bringen. Ein Mandat der Weltgesundheitsorganisation, für mehr Transparenz bei den Medikamentenpreisen zu sorgen, würde ein wichtiges Zeichen für einen besseren Zugang für alle Menschen setzen.

Hier finden Sie den offenen Brief an Jens Spahn.

Hier finden Sie die zahlreichen Änderungs- und Streichungsvorschläge zur WHA-Resolution v. 20.05.2019 im Originaltext.

Unterzeichner des offenen Briefs
Aktionsbündnis gegen Aids
Ärzte der Welt
Ärzte ohne Grenzen
Brot für die Welt
BUKO Pharma-Kampagne
Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd)
Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V. (Difäm)
Memento Bündnis
Sektion Universal Access Deutsche Aids Gesellschaft e.V. (DAIG)
Universities Allied for Essential Medicines Europe (UAEM)
Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP)

Die BUKO-Pharma-Kampgne 

  • begreift Gesundheit als Menschenrecht,
  • setzt sich für eine bedarfsgerechte Arzneimittel- und Gesundheitsforschung und
  • für eine global gerechte Arzneimittelversorgung ein,
  • bietet unabhängige Arzneimittelinformationen und stärkt den VerbraucherInnenschutz.

Warum wir diese Pressemeldung aufnehmen

Wir beobachten, wie für die Behandlung von Brustkrebs extreme Arzneimittelkosten nur wenig hinterfragt und geprüft werden. Zugleich sehen wir, wie minimale Unterstützungsleistungen (beispielsweise eine verfügbare Breast Care Nurse zur informierten Entscheidungsfindung, ein Palliativbett, ggf. auch im Krankenhaus, wenn die Patientin dies wünscht, ambulante Pflege für schwer erkrankte Patientinnen etc.) teilweise nicht in hinreichendem Umfang verfügbar sind. Hier schließt sich ein Kreis, der wieder durchbrochen werden muss. Brustkrebsmedikamente müssen bezahlbar sein, die Preisgestaltung muss rational nachvollziehbaren Kriterien folgen. Kurz: Es geht um wichtige Patientinnenrechte und Interessen von Patientinnen

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